Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld - Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum

Der Weg zum Leben - Ethik des Alten Testamentes

Rückblick Bibelwoche 2018

Auch dieses Jahr wurde in unserer Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde ganz traditionell mit der Bibelwoche begonnen.

Zum Thema „Der Weg zum Leben. Ethik des Alten Testaments“ referierte Prof. em. Dr. Rainer Kessler. Das im Vorfeld von etlichen als möglicherweise schwierig und trocken eingeschätzte Thema wurde uns durch die Vortragsweise verständlich und lebendig erklärt. Außerdem gab es immer die Möglichkeit der direkten Nachfrage.

Am ersten Abend stiegen wir ein mit dem Begriff Ethik, was sollen wir tun. Einerseits schreiben uns Brauchtum und Sitte vor, was wir tun sollen. Andererseits ist das Recht als noch verbindlicher zu sehen. Die Ethik ist eine Reflektion von allem. Maßstäbe dieser Reflektion sind u.a. die Erziehung und die religiöse Tradition. Grundlage aber ist immer das Menschenbild. In Genesis 1,26 steht, dass der Mensch Bild Gottes ist. Das heißt nicht, dass die Menschen aussehen wie Gott. Es ist eine funktionale Aussage. Die Menschen sind Stellvertreter Gottes auf Erden. Jeder Mensch ist Bild Gottes. Worte wie „Gott hat keine anderen Hände als unsere“ bringen das zum Ausdruck.

In seiner Predigt erläuterte Prof. Kessler eindringlich die Worte aus Micha 6,8: “Gott hat dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Adonaj von dir fordert: nichts andres als Recht tun und Güte lieben und besonnen mitgehen mit deinem Gott“.

Viele interessierte Gemeindeglieder haben sich darauf eingelassen, über Ethik nach zu denken. Im Nachgespräch am Sonntag galt der Dank Prof. Dr. Kessler für seine Vermittlung, seine Auslegung in der Bibelwoche.

Wie in den letzten Jahren führten uns jeden Abend Dörte Melzer mit der Bratsche und Manuel Köhring am Flügel durch das gemeinsame Singen alter und neuer Lieder. Den Gottesdienst am Sonntag gestalteten musikalisch dann wieder der Posaunenchor Sudbrack unter der Leitung von Sonja Ramsbrock und Manuel Köhring an der Orgel.

Die Bibelwoche ist zwar zu Ende aber die Texte und deren Auslegung begleiten uns in das neue Jahr.

Dietlinde Anger  

Flyer zur Bibelwoche 2018.  

Wir freuen uns sehr, dass wir seine Predigt über Micha 6 hier veröffentlichen dürfen:

Prof. em. Dr. Rainer Kessler

Predigt über Micha 6,6-8 in 

Bielefeld, Matthäuskirche, 2. So. n. Epiphanias, 14.1.2018

Der Predigttext für den heutigen Gottesdienst steht in der Schrift des Propheten Micha im 6. Kapitel in den Versen 6-8. 

Wahrscheinlich kennen wir alle die Erfahrung, dass eine zwischenmenschliche Beziehung festgefahren ist. Das fängt bei einer Schulfreundschaft an und geht bis in eine Liebesbeziehung, ja bis in langjährige Ehen oder in das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern oder von Eltern zu ihren Kindern. Nichts geht mehr. Man kann sagen, was man will, es wird einem falsch ausgelegt. Man kann machen, was man will, es kommt beim andern nicht an. Es gibt kein Verständnis mehr, nur noch Missverständnisse. Die Situation scheint ausweglos, wie wenn man mit dem Auto in eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit gefahren ist: Man kommt nur noch rückwärts wieder raus. Man kommt aus der verfahrenen Situation nur noch heraus, indem man die Freundschaft kündigt, indem man die Liebesbeziehung beendigt, indem man die Ehe scheidet. Die Sache scheint hoffnungslos festgefahren.

Nicht nur im Leben Einzelner gibt es solche Sackgassen, solche festgefahrenen Situationen. Es gibt so etwas auch im Leben ganzer Völker. Man muss nur nach Israel und Palästina blicken, und schon weiß man, was es heißt, dass eine Lage verfahren ist.

Das Schlimme an solchen festgefahrenen Situationen ist, dass sich alles im Kreis zu drehen scheint, dass sich alles beständig wiederholt, dass es keine Entwicklung nach vorne gibt. Angesichts neonazistischer, rassistischer und antisemitischer Umtriebe in Deutschland frage ich mich manchmal, ob es bei uns auch schon wieder so weit ist, dass man sagen muss: Wir haben aus der Geschichte nichts gelernt. Wie kann es nur sein, dass Menschen noch einmal diesen Weg betreten wollen, der in die Katastrofe geführt hat? Wie kann es nur sein, dass allzu viele stumm zuschauen oder gar heimlich Beifall klatschen, wenn wehrlose Menschen durch die Straßen gejagt, ihre Unterkünfte angezündet werden?

Das biblische Michabuch, aus dem ich den heutigen Predigttext genommen habe, kann man lesen wie die Geschichte einer solchen zerbrochenen Beziehung, wie die Geschichte von einem solchen Weg in die Sackgasse. Das Buch beginnt mit einer scharfen Kritik der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse, wie sie im Land Juda im 8. Jh. v. Chr. geherrscht hatten. Da werden die reichen Grundbesitzer angegriffen, dass sie die verschuldeten Bauern um Haus und Feld bringen und Frauen und Kinder verjagen. Auch die politische Führung wird mit unerhörten Vorwürfen konfrontiert: Sie soll das Recht missachten, die Leute bis aufs Blut ausbeuten und obendrein bestechlich sein. Für den Propheten folgt daraus, dass Juda und Jerusalem, wo solches passiert, dem Untergang geweiht ist. Und er sollte Recht behalten. Im Jahr 586 v. Chr. wurde Jerusalem von den Babyloniern erobert, der König gefangengenommen, der Tempel zerstört und die Oberschicht des Volkes in die Verbannung geführt.

Jetzt erinnerte man sich an die Worte des Propheten. Man sah ein, dass er Recht hatte. Aber man konnte sich auch nicht vorstellen, dass Katastrofe und Venichtung Gottes letztes Wort sein sollten. So kam Hoffnung auf, Hoffnung auf die Stunde Null, wie man das in Deutschland nach 1945 nannte. Hoffnung, dass nun alles anders werden würde, dass die alte Ungerechtigkeit aufhören und eine Gesellschaft entstehen würde, in der alle in Frieden leben könnten. Mit den schönen Worten des Michabuches klingt das so:

Und sie werden ihre Schwerter umschmieden zu Pflugscharen

und ihre Spieße zu Winzermessern.

Nicht wird mehr ein Volk gegen das andere das Schwert erheben,

und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.

Und ein jeder wird unter seinem Weinstock wohnen

und unter seinem Feigenbaum – und es gibt keinen, der aufstört (4,3f).

Doch leider erwies sich diese Hoffnung als trügerisch. Es dauerte nicht lange, da waren die alten Verhältnisse wieder hergestellt. Und nun stellte sich dieses Gefühl ein, das ich vorhin zu beschreiben versuchte: Die Sache ist festgefahren. Wir stecken in der Sackgasse. Es fängt alles wieder von vorne an. Hört das denn nie auf?

Wieder nahm man die alte Michaschrift vor und legte sie auf die neue Situation hin aus. Man stellte sich vor, wie Gott persönlich in einen Streit mit diesem seinen Volk eintritt, das offenbar nicht in der Lage war, aus seiner eigenen Katastrofe zu lernen:

Mein Volk, was habe ich dir getan

und womit habe ich dich ermüdet? Antworte mir!, 

so hörte man Gott sagen (6,3). Es ist wie die Frage des verzweifelten Ehepartners: Was habe ich dir denn getan, antworte doch?! Es ist wie die Frage des enttäuschten Zeitgenossen, der sich angesichts neonazistischer Hassprediger fragt: Hört das denn nie auf? Kann das denn kein Ende haben?

Scheinbar überraschend gehen die Kritisierten auf die Kritik ein. Aber wie sie darauf eingehen! Völlig übertrieben ist, was sie da vorschlagen, es ist geradezu eine Karikatur:

Womit soll ich Adonaj entgegentreten,

mich beugen vor dem Gott der Höhe?

Soll ich ihm entgegentreten mit Brandopfern,

mit einjährigen Kälbern?

Hat Adonaj Wohlgefallen an Tausenden von Widdern,

an unzähligen Strömen von Öl?

Soll ich meinen Erstgeborenen geben für meine Verfehlung,

die Frucht meines Leibes für mein sündiges Leben? (6,6f)

Hat Gott das je verlangt: Tausende von Widder als Opfer, unzählige Ströme von Öl? Will Gott tatsächlich das Opfer der erstgeborenen Kinder, um mit seinem Volk zufrieden zu sein? Nein, natürlich nicht! Das ist, wie wenn die unglückliche Ehefrau zu ihrem Mann sagt: Du solltest dir einmal Zeit nehmen zum Reden, und er darauf sagt: Ich kann ja gleich meinen Job kündigen, dann haben wir unendlich viel Zeit zum Reden. Das ist wie wenn man in Deutschland etwas gegen Ausländerfeindlichkeit sagt und dann den Hinweis auf Ausländerfeindlichkeit in Frankreich oder Spanien hört, verbunden mit der Frage: Müssen wir Deutschen eigentlich die Musterknaben der Demokratie sein? Nein, müssen wir nicht! Trotzdem brauchen wir Ausländerfeindlichkeit nicht zu dulden.

Es ist typisch für solche festgefahrenen Situationen, dass solche verrückten Vorschläge kommen, solche Überreaktionen. Man tut so, als würde man auf den andern eingehen, in Wahrheit blockt man nur ab. 

Gibt es einen Ausweg aus der Sackgasse? Unser Michatext sagt: Wenn es eine Chance geben soll, aus der Sackgasse herauszukommen, dann muss es die Besinnung auf ganz wenige grundsätzliche Regeln sein. Unser Text sagt das in dem berühmten Wort, das in der Lutherbibel so übersetzt ist:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Ich selbst habe es vorhin so übersetzt:

Er hat dir gesagt, Mensch, was gut ist

und was Adonaj von dir fordert,

nichts als Recht tun und Güte lieben

und besonnen gehen mit deinem Gott.

Drei Dinge sind es, von denen es heißt, dass sie dem Menschen „gut“ sind, die ihm helfen sollen, die ihn aus scheinbar hoffnungslos verfahrenen Situationen herausbringen sollen.

Das erste ist: „nichts als Recht tun“. Recht tun, das ist die Grundlage guten Lebens und guter zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Grundlage einer Liebesbeziehung, einer Ehe, die Grundlage der Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist immer, dass einer das Recht des andern respektiert. Wer den andern nur benutzt, um zu seinem eigenen Recht zu kommen, um auf die eigenen Kosten zu kommen, der untergräbt eine solche Beziehung. Das Paar, bei dem der andere nur dazu dient, die eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, wird nicht lange beisammen sein. Der Mann, der seine Frau nur als billige Haushälterin sieht, gefährdet seine Ehe. Nur wenn jeder in einer Beziehung zu seinem eigenen Recht kommt, kann sie gelingen.

Und natürlich gilt das auch für die Beziehungen in einer Gesellschaft. Wenn Einzelne in einer Gesellschaft rechtlos an den Rand gedrückt werden, dann kann es in einer solchen Gesellschaft keinen Frieden geben. Und genauso ist es im Zusammenleben der Völker. Werden einzelne Völker oder einzelne Volksgruppen entrechtet, dann kommt es unweigerlich zu Krieg und Bürgerkrieg. Recht tun, das ist die Grundlage jeder guten Beziehung, im privaten, im gesellschaftlichen und im internationalen Maßstab.

Aber es ist noch nicht alles. „... und Güte lieben“ wird hinzugefügt. Für die Beziehung zweier Menschen leuchtet das sofort ein. Nur auf Recht gegründet könnte eine solche Beziehung nicht wirklich gut werden. Es gehört mehr dazu: die Bereitschaft zu verstehen, Geduld zu haben, zu vergeben, also alles das, was über das bloße Rechthaben hinausgeht, sind nötig, damit zwei Menschen wirklich gut miteinander leben können.

Und auch das gilt für die Gesellschaft als Ganze. Wenn nur das Recht herrscht, bleibt eine solche Gesellschaft kalt. Gestrauchelte kann man nicht nur aburteilen; man muss ihnen auch wieder aufhelfen, muss ihnen zeigen, dass sie weiterhin dazu gehören, dass sie wichtig sind. Recht muss Recht bleiben. Aber wo nur das Recht herrscht, ohne Güte, ohne Barmherzigkeit, ohne Geduld und Hilfsbereitschaft, da wird aus dem Recht aller schnell das bloße Recht des Stärkeren. Und das tut keiner Gesellschaft gut.

„Recht tun und Güte lieben“, das ist viel, aber noch nicht alles. Hinzu kommt ein Drittes, das in die merkwürdigen Worte gefasst wird: „und besonnen gehen mit deinem Gott“. Dieses Wort ist in der Tat merkwürdig, es ist in der ganzen Bibel auch einzigartig. Gewohnt sind wir anderes. Gewohnt sind wir, dass von unserem Wandel vor Gott die Rede ist. Gott ist dann wie die große Kontrollinstanz, wie die geheime Videokamera, die unsere Schritte kontrolliert. In diesem Sinn übersetzt die Luther-Bibel: „und demütig sein vor deinem Gott.“

Aber das ist hier gerade nicht gemeint. Sondern gemeint ist, dass Gott mit uns geht und wir mit ihm gehen sollen. Es ist ein gemeinsamer Weg. Gott will, dass jeder zu seinem Recht kommt. Und dabei sollen wir mit ihm gehen. Gott will, dass jeder Güte, Liebe und Vergebung erfährt, und dabei sollen wir mit ihm gehen. Gott will uns zu seinen Weggefährten haben. Man könnte es auch in einem anderen Bild ausdrücken: Wir sollen die Menschen mit Gottes Augen ansehen. Ob das in verfahrenen Situationen nicht helfen kann, sich einmal zu fragen: Wie sieht Gott eigentlich meinen Widerpart an? Hält er ihn auch für so völlig unmöglich? Sieht Gott es auch so, dass der andere unmöglich ist und ich allein Recht habe? Das gilt für festgefahrene Ehen ebenso wie für unser Verhältnis zu Drogenabhängigen oder für unsere Beurteilung von Israelis und Palästinensern. Wie sieht Gott eigentlich den andern? Und sind wir bereit, wie es im Michabuch heißt, mit Gott mitzugehen?

Wir haben uns in dieser Bibelwoche mit dem Thema Ethik befasst und die Frage gestellt: Was sollen wir tun? Wir haben dazu in die Bibel geschaut. Man kann es aber nicht oft genug wiederholen: Die Bibel ist kein Rezeptbuch für gelingendes Leben. Aber sie ist eine gewaltige Hilfe. Unser Michatext spricht in eine verfahrene Situation hinein. Er gibt kein Patentrezept, um aus der Sackgasse herauszukommen. Aber er ruft dazu auf, sich auf Grundwerte zu besinnen: Darauf, dass dem andern sein Recht zukommen muss; darauf, dass zum Recht die Güte kommen muss, die bereit ist zur Geduld, zum Verstehen und zur Vergebung; und er ruft dazu auf, uns als Weggefährten Gottes zu begreifen, der keinen von uns verloren geben will.

Wie gesagt: Auch die Besinnung auf diese Grundwerte ist keine Garantie, dass wir mit verfahrenen Situationen fertig werden. Aber sie ist die Voraussetzung dafür. Und wir wollen Gott bitten und es ihm anheimstellen, dass er auch das Gelingen gibt. Das Michabuch, das hier in unserem Text vor Augen führt, was uns gesagt und was gut für uns ist, endet mit dem Hinweis auf den Gott, der bereit ist zur Vergebung:

Wer ist ein Gott wie du,

der Schuld vergibt

und an der Verfehlung vorübergeht

für den Rest seines Eigentums?

Er hält nicht für immer an seinem Zorn fest,

denn Wohlgefallen an Güte hat er (7,18).

Diesem Gott wollen wir uns anvertrauen, damit er uns aus den verfahrenen Situationen unseres Lebens herausbringt.

Bibelwoche

Seit 1961 trifft sich ein Kreis, um die Bibelwoche im Januar des folgenden Jahres vorzubereiten.

Wir sind Frauen und Männer, die an Bibelarbeit interessiert sind. Wir möchten gemeinsam für uns Neues in den alten Texten entdecken. 

Außerdem wollen wir die lange Tradition der Bibelwoche weiterführen und sind bereit, die Organisation zu übernehmen.

Wer also Lust hat, schon im Vorfeld über Bibeltexte der nächsten Bibelwoche zu diskutieren, und sich eventuell auch in die Planung einbringen möchte, ist herzlich eingeladen dazu zu kommen.

Die Termine stehen in der Gemeindezeitung und auf der Homepage unserer Gemeinde. 

Nähere Informationen bei Dietlinde Anger

Bibelwoche 2017: Gewalt in Gott? Über den Umgang mit heiligen Schriften - Ein Rückblick

Zum 7. Mal konnten wir als Referenten unserer Bibelwoche Prof. Dr. Ed Noort aus Groningen begrüßen. Wir hatten ihn gebeten, mit uns zum Thema Gewalt in der Bibel zu arbeiten, denn mit biblischen Texten, in denen Gewalt stattfindet oder beschrieben wird, haben wir so unsere Schwierigkeiten.  

Wir lesen in der Bibel einerseits vom liebenden und gnädigen Gott, andererseits wird er aber auch gewalttätig und kriegerisch beschrieben. Unsere Frage war, wie können wir das verstehen? 

Da waren die Texte in ihrer Unterschiedlichkeit zu erkennen, wie zum Beispiel Gesetze, Gebete, Prophetie, Erzählungen oder auch Chroniken. Wie lebten die Menschen, was musste ihr Glaube aushalten und wie gaben sie ihn weiter?

Am ersten Abend gab uns Ed Noort mit auf den Weg “Wir Menschen reden von Gott, auch wenn wir sagen, Gott redet zu uns, sind wir es, Menschen, die das sagen. Das soll uns vorsichtiger machen beim Formulieren von absoluten Wahrheiten und Sicherheiten, aber zugleich auch Mut machen. Wir dürfen und sollen es wagen, weiter von Gott zu reden, wie auch die biblischen Schriftsteller es lange vor uns gewagt haben.“

Es war eine spannende gute erste Woche im neuen Jahr. Das Glatteis am Samstag hinderte manche daran zu kommen, aber zum Abschlussgottesdienst am Sonntag traf sich wieder eine große Gemeinde.

Wie in den Jahren vorher lebte die Wochen von allen, die sich daran beteiligten, neben dem Referenten Prof. Dr. Ed Noort und den abendlichen Zuhörern möchte ich stellvertretend für alle, denen unser Dank gilt, unsere Musiker nennen: Dörte Melzer und Manuel Köhring, die wunderbar durch das gemeinsame Singen führten,

Rune Mc Callum, der uns am Samstag mit Geigensoli erfreute und den Posaunenchor Sudbrack, der seit 1961 in jedem Abschlussgottesdienst musizierte.

Wer die Predigt nachlesen möchte, findet sie hier.

Dietlinde Anger

Hunger im Neuen Testament - Rückblick auf die Bibelwoche 2016

Prof’in Dr. Luzia Sutter Rehmann

Hunger im Neuen Testament

Pünktlich zum Bibelwochenbeginn wurde es winterlich kalt und sehr glatt. Darum haben sich einige am ersten Abend für die eigenen vier Wände entschieden. Aber das war nur am ersten Abend. 

Das Thema und die Referentin Prof’in Dr. Luzia Sutter Rehmann, von der wir in der Vorbereitung bereits vier Radioandachten gehört hatten, führte wieder eine große Bibelwochengemeinde in unserem Gemeindezentrum zusammen.

Es war spannend beim Lesen und Hören bekannter Texte den Hunger der Menschen vor Augen zu haben. „Wir, die wir wohlgenährt sind, lesen normalerweise aus der Perspektive der Satten“, erklärte Luzia Sutter Rehmann.

Hunger durchzieht biblische Texte wie ein roter Faden. Wir kennen die Geschichten von Abraham und Sara, von Josefs Brüdern, die in Ägypten Getreide kaufen, von Rut, die auf dem abgeernteten Feld Ähren sucht, aber auch die Geschichte von Jesus, der mit seinen Jünger_innen am Sabbat am Feld Ähren rupft, um die Körner zu essen. Von den ersten Gemeinden lesen wir, dass es Streit um das Essen gab. Manche Sklav_innen konnten erst zu den Versammlungen kommen, wenn die anderen schon gegessen hatten und nichts mehr übrig war. 

Und heute in unserer Gegenwart entdecken wir überall Hunger. Wir müssen nur genau hinsehen. Damals wie heute machen sich Menschen auf den Weg, um etwas gegen ihren Hunger zu unternehmen.

Die Menschen, die mit Jesus unterwegs waren, kannten Hunger sehr genau. Luzias Sutter Rehmann sagt: „Die Jesusbewegung beginnt als Bewegung der Hungrigen.“

Am Sonntag nach dem Gottesdienst blickten wir zurück auf eine Woche mit spannenden Vorträgen der Referentin, auf fröhliches Singen mit Dörte Melzer und Manuel Köring, viele gute Gespräche, leckere Brote, von den Frauen der Weltgebetstagsgruppe vorbereitet, und einen gelungenen Samstagabend. Besonders gelobt wurde Rune Mac Callum für sein großartiges Geigenspiel am Samstag.

Und wie jedes Jahr gab es ein großes Angebot am Büchertisch mit Gerhard Godejohann und beim Eine-Welt-Laden mit Helga Beier.

Diese Bibelwoche begleitet uns nun ins Neue Jahr. Vor den Sommerferien laden wir in der Gemeindezeitung und auf der Homepage zu Gemeindeabenden für die Bibelwoche 2017 ein. Den Flyer mit den einzelnen Themen finden sie hier.

Dietlinde Anger

Bibelwoche 2015: Eine Bibel - zwei Testamente

Eine Bibel – Zwei Testamente

Viele Menschen nicht nur aus unserer Gemeinde kamen in der ersten Januarwoche zur Bibelwoche. Zum Thema: „Eine Bibel - zwei Testamente“ hielt Prof. Dr. Frank Crüsemann die Referate und diskutierte mit uns. Es ging nicht darum, dass unsere Bibel das Alte und das Neue Testament beinhaltet, es ging darum, die Bedeutung der beiden Testamente zu verstehen.
Wenn im Neuen Testament von der Schrift zu lesen ist, ist immer die Hebräische Bibel, unser Altes Testament gemeint. Das war die Heilige Schrift für die Verfasser des Neuen Testamentes. Sie kannten diese Texte genau. Beim Lesen des Neuen Testamentes sind immer wieder Hinweise auf das Alte Testament zu finden. Es ist wichtig, das Alte Testament zu kennen, um das Neue zu verstehen. Prof. Dr. Crüsemann sagt „Das Alte Testament muss wieder die Rolle erhalten, die es zur Zeit der Entstehung des Neuen Testamentes hatte.“
Wie in den letzten Jahren waren ab 19.00 Uhr Brote und Getränke von Frauen der Weltgebetstagsgruppe vorbereitet. Eine halbe Stunde später wurde unter Leitung von Dörte Melzer (Bratsche) und Manuel Köhring (Klavier) gesungen. Es machte Freude, die alten und neuen Lieder mit zu singen.
Über die intensiven Gespräche hinaus waren das Feierabendmahl und das anschließende Essen am Samstag ein besonderes Erlebnis.
Die Zeit vor und nach den Bibelarbeiten wurde von vielen zum Einkauf am Bücherstand und im Eine-Welt-Laden genutzt. Das Angebot war riesig und verlockend.
Wie in jedem Jahr wieder unterstützten Frauen und Männer unserer Gemeinde mit viel Engagement unsere Bibelwoche, manche an jedem Tag, andere besonders am Samstag, indem sie Leckeres für das gemeinsame Essen vorbereiten.
Freitag, Samstag und im Gottesdienst haben wir eine Kollekte in Höhe von ca. 1400 € für Nes Ammim, ein christliches Dorf in Israel, zusammengelegt. Es zeichnet sich aus durch eine von vielen internationalen Bewohnerinnen und Bewohnern und ehrenamtlich Tätigen gelebte und aktive Solidarität. Die dort seit 1963 lebende Gemeinschaft fühlt sich besonders den arabischen wie jüdischen Nachbargemeinschaften verpflichtet.
Es war eine sehr intensive Bibelwoche. Wir haben zugehört, diskutiert und nachgefragt. Aus der Bibelwochengemeinde wurde der Wunsch geäußert, das Thema diese Bibelwoche in weiteren Runden zu diskutieren. Wir sind auf der Suche nach Terminen und laden dann dazu ein.

Dietlinde Anger 

Flyer zur Bibelwoche 2015 .

Bibelwoche 2014 - Psalmen beten - das Persönliche ist politisch ist messianisch

Dieses Jahr traf sich die Bibelwochengemeinde in der zweiten Januarwoche im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum, um Neues zu den Psalmen zu hören.

Dr. Ruth Poser aus Marburg, die über die Psalmen gerade für ihre Habilitation arbeitet, hatte nicht ganz leichte Kost im Gepäck. Wir lernten, dass die Reihenfolge der Psalmen nicht zufällig ist, dass es Entsprechungen, Rahmen, Zusammenhänge und Gebetswege gibt.

Das Buch der Psalmen ist eine Komposition mit langer Tradition. Wir finden Lob, Klage und Dank. Diese Gebete Israels kommen immer aus einer bestimmten Situation heraus und sind auch politisch zu verstehen. Wir können sie nicht einfach vereinnahmen, aber sie helfen uns, unsere Worte für Gebete zu finden. Wir kommen zu Gott mit all unseren Problemen und Unfähigkeiten, aber Gott braucht uns, damit seine Verheißungen erfüllt werden.

Am Freitagnachmittag konnten wir uns im Workshop in einer kleinen Gruppe mit der Referentin Vers für Vers Psalm 51 nähern. 

Nach einem festlichen Samstagabend ließ Dr. Ruth Poser am Sonntag im Gottesdienst Mose zu uns sprechen. In Psalm 103, der am Anfang und Ende darum bittet, die Lebenskraft der Betenden zu stärken, fanden wir so Zuneigung und Mitgefühl Gottes.

Zum Gelingen der Bibelwoche trugen neben der Referentin viele bei, die Frauen des Weltgebetstages und des Welt-Ladens sorgten für die Verpflegung. Mit Dörte Melzer an der Bratsche und Manuel Köhring am Flügel wurde jeden Abend eine halbe Stunde gesungen. Luise Metzler und Gerd Godejohann kümmerten sich um einen aktuellen Büchertisch. Viele bereiteten das Abendessen vor und im Gottesdienst begleitete uns der Posaunenchor unter Leitung von Sonja Ramsbrock.

Wir kamen in der Bibelwoche ins Gespräch über die Psalmen und gleichzeitig war sie wie immer ein wichtiges Gemeinschaftserlebnis.

 Dorothee Sölle schreibt:
„Esst die Psalmen. 
Jeden Tag einen. Vor dem Frühstück oder
vor dem Schlafengehen, egal.
Haltet euch nicht lang bei dem auf, was ihr komisch 
oder unverständlich oder bösartig findet, 
wiederholt euch die Verse, aus denen Kraft kommt, 
die die Freiheit, Ja zu sagen oder Nein, vergrößern. 
Findet euren eigenen Psalm. 
Das ist eine Lebensaufgabe und viel zu groß für uns, 
aber lasst euch nicht unnötig verkleinern.“

Dietlinde Anger

Bibelwoche 2013 "Richtet auf das Recht" Das Buch Amos - Ein Rückblick

Das Buch Amos füllt nur wenige Seiten in unserer Bibel, dennoch liest man es selten ganz und nur ein Text ist in die bisherigen Predigtperikopenreihen aufgenommen worden. Daraus ist nicht zu schließen, dass der Text uns nichts sagt . Im Gegenteil! Wir haben in der Bibelwoche im Januar mit Prof. Dr. Rainer Kessler erfahren: diese Texte sind noch heute ganz aktuell.

Der Prophet Amos benennt Kriegsverbrechen im Sinne des Völkerrechts, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und er prangert soziale Vergehen an. Mit Beginn des dritten Kapitels spricht er direkt Israel an.

Amos klagt die Verhältnisse an, es ist nicht Recht im Sinne Gottes, wenn die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Es reicht nicht, diese Anklagen nur mit Erschrecken wahr zu nehmen. Im Rückblick wissen wir, dass die Anfänge der Tora hier zu finden sind. z. B. das Gericht darf das Recht des Armen nicht beugen oder der Schuldenerlass.

Den Anklagen lässt Amos Strafankündigungen folgen, er wird aber nicht gehört, sondern vom Oberpriester Amazja des Landes verwiesen. Dennoch glaubt Amos weiter an die Rettung Israels und ruft ihm zu: “Richtet auf das Recht“. 

Am Ende seiner Predigt ermutigt uns Prof. Kessler, uns der Kritik des Amos zu stellen, damit wir seine Hoffnung teilen können.

Immer wieder wurde im Gespräch die Aktualität der Amostexte sichtbar, wirtschaftliche Ungleichheit, Verarmung, Korruption im Rechtswesen, darüber ist auch heute zu sprechen und es sind Schlussfolgerungen zu ziehen. Es reicht sicher nicht zu sagen, die Strukturen sind halt so.

„Richtet auf das Recht“, dieser Titel der Bibelwoche könnte so ein guter Vorsatz für das gerade begonnene Jahr sein.

Bereits jetzt beginnen wir mit den Planungen der nächsten Bibelwochen und laden herzlich ein zum nächsten Treffen am 4.Februar um 20.00 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum am Brodhagen.

Dietlinde Anger

Jubiläum 50 Jahre Bibelwoche

2011 konnten wir die 50. Bibelwoche feiern. Dazu ist diese Festschrift erschienen, die Sie im Gemeindebüro erwerben können.
Nach einem Klick auf die Überschrift können Sie schon einmal einen Blick in die Festschrift werfen.

Geänderte Termine der Predigtreihe 2018: Die Schöpfungserzählungen im 1. Buch Mose

Am Anfang der Bibel wird erzählt, wie die Welt erschaffen wurde. Doch wer die Erzählungen aufmerksam liest, stellt fest, dass manches, was in 1.Mose 1 (Schöpfung in 7 Tagen) steht nicht zu 1. Mose 2-3 (Adam und Eva) passt, ja sich zum Teil sogar widerspricht:

1. Mose 1 erzählt, dass im Urzustand überall Wasser war – 1.Mose 2 spricht von der großen Trockenheit, die überall herrschte. 1.Mose 1 beschreibt, dass der Mensch am Ende des 6. Schöpfungstages als Mann und Frau geschaffen wurde, in 1.Mose 2 lesen wir, dass Gott den Mann vor allem anderen geschaffen hat und am Ende feststellt, dass es nicht gut ist, dass der Mensch alleine sei und die Frau erschafft.

Worin haben diese Unterschiede ihre Ursache?

Auf diese und viele weitere Fragen antwortet Ihnen unsere Predigtreihe am Ende der Sommerferien:

12.August: 1.Mose1, 1-2,4a: Die Schöpfung - Pfr. Gerhard Sternberg

19.August: 1.Mose 2,4b – 25 Der Mensch im Paradies - Pfr. Andreas Smidt-Schellong

26.August: 1.Mose 3,1 – 24: Die Vertreibung aus dem Paradies - Pfr. Gerhard Sternberg:

Wir freuen uns auf Sie!

Bibelwoche im DBZ

In der zweiten Januarwoche fand unsere Bibelwoche 2018 mit Professor Rainer Kessler zum Thema: "Ethik des Alten Testamentes" statt. Die Predigt, die Prof. Kessler im Abschlussgottesdienst gehalten hat, finden Sie  hier, Nähere Informationen zu den Themen der einzelnen Abende auf dem Flyer zur Bibelwoche 2018.  

Kunstausstellung im DBZ - Textiles von Wolfgang Stracke

Das Herstellen von Textilem ist dem Menschen seit altersher ein ursächliches Bedürfnis. Die Technik, einen Faden zu spinnen und zu einem Gewebe zu vereinen, ist uraltes Handwerk. Die Arbeiten von Wolfgang Stracke – es sind Antependien, Applikationsstickereien, Webereien und Patchworkarbeiten – erhalten ihren spezifischen Ausdruck durch die sensible Materialauswahl, durch den Kontrast der unterschiedlichen Webarten und durch das Nebeneinander der Materialfarben.

Während das gemalte Bild grundsätzlich illusionistischen Charakter hat, ist das textile Wandbild greifbar im Raum. Das Material eines textilen Wandbildes verlangt nach Sinnbedürfnis in sich selbst und nicht in seiner Illusion.

Die Ausstellung ist bis März in den Räumen der Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zu sehen.

Öffnungszeiten: Mo. 10-12 Uhr, Mi. 11-13 Uhr, Do. 16-18 Uhr, Fr. 10-12 Uhr und So. nach dem Gottesdienst (11.30 Uhr).

Die Ausstellung wird am 19. November um 11.30 Uhr eröffnet.

Predigtreihe 2017 zu Martin Luther in der Matthäuskirche

In diesem Sommer gab es in der Matthäuskirche sonntags um 10.30 Uhr eine Predigtreihe über Martin Luther. Wie in den vergangenen Jahren finden Sie die gehaltenen Predigten hier: 

30.07. "Luther und die Bibel" Pfarrer Andreas Heitland

06.08. "Luther und die Frauen der Reformation" Pfarrer Ulrich Wehmann

13.08. "Luther und die Juden" Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

20.08. "Luther und die 95 Thesen" Pfarrer Gerhard Sternberg

 

 

 

Bibelwoche 2017: Gewalt in Gott? Über den Umgang mit heiligen Schriften.

Vom 4. bis 8. Januar fand unsere Bibelwoche 2017 statt. Nähere Informationen finden Sie  auf unserem Flyer und im Rückblick, die Predigt vom Abschlussgottesdienst der Bibelwoche finden sie hier.

Predigtreihe 2016 zu Liedern der Reformation

Mit Ausblick auf das „Jubiläum 500 Jahre Reformation“ haben wir in diesem Sommer  der wohl nachhaltigsten „Erfindung“ der Reformation unsere Predigtreihe gewidmet, dem Gemeindegesang.

Nähere Informationen,die Themen der einzelnen Gottesdienste und die Predigten finden Sie hier

Predigtreihe 2015 zu Dietrich Bonhoeffer

Die Predigten zu unserer Predigtreihe zu Dietrich Bonhoeffer finden Sie unter Gottesdienste, Predigtreihe 2015 Dietrich Bonhoeffer

Gründung der Umweltgruppe Grüner Hahn

Es werden noch Interessierte zur Mitarbeit gesucht. Nähere Informationen finden Sie unter dem Reiter "Gruppen - Umweltgruppe Grüner Hahn" oder durch Klick auf den grünen Hahn.

Predigtreihe 2014

Unter dem Titel "Die Zukunft ist sein Land" fand in den Sommerferien 2014 vom 20.7. bis 10.8. wieder eine Predigtreihe in der Matthäuskirche statt. Nähere Infos und die gehaltenen Predigten finden Sie hier.

Die Predigten unsere Predigtreihe 2013: Jona

Die Predigten unserer Predigtreihe zum Buch Jona finden Sie ab sofort  unter Gottesdienste: Predigtreihe 2013.  

Predigtreihe Psalmen 2012

Unter Gottesdienste / Predigtreihe Psalmen finden Sie die Predigten unserer Predigtreihe in den Sommerferien 2012.