Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld Matthäuskirche

Liebe Schwestern und Brüder,

Wieviel Schlaf haben Sie heute nacht bekommen? Wer nach draußen gegangen ist und den Himmel beobachtet hat, der bekam die Gelegenheit, in dieser sternenklaren Nacht viele Sternschnuppen zu sehen. Es war ein tolles Erlebnis, zu sehen, wie die kleinen Staubkörnchen des Kometen Swift-Tuttle, bekannt als die Perseiden, mit 200 000 Stundenkilometern in die Atmosphäre eindringen und beim Verglühen leuchtende Striche am Himmel ziehen. Die meisten waren weiß, aber ich bilde mir ein, auch einen roten und einen grün-gelben gesehen zu haben. 
Ein tolles Ereignis, das mich sehr berührt hat und das sehr viel mit unserem heutigen Predigttext zu tun hat. 
Wer in den letzten drei Wochen hier im Gottesdienst gewesen ist, hatte die Gelegenheit, die Wunschpredigtreihe zu den Psalmen zu hören. Andreas Heitland predigte über einen Lobpsalm – Psalm 148, Ulrich Wehmann über einen Rachepsalm, Psalm 58, Andreas Smidt-Schellong über einen Klagepsalm, Psalm 73 

Heute nun endet unsere Reihe mit einem Schöpfungspsalm.

Ich lese ihn vor, unterlegt mit einigen Bildern.

Vielleicht sind bei der Betrachtung der Bilder auch bei Ihnen Erinnerung hochgekommen: An den Urlaub, an einen schönen Spaziergang, an eine Situation, in der Sie die Schönheit der Natur erleben durften. 
Ich hatte vor drei Wochen die Gelegenheit, ein paar Tage im Harz zu verbringen: Welch gewaltige Gesteinsbrocken säumen den Weg auf den Brocken. Uralt, mit menschlicher Kraft nicht zu bewegen. Was ist dagegen der Mensch. 
Ein ähnliches Gefühl durfte ich wenige Tage später bei einem Segeltag auf der Ostsee erleben, als der Wind von Windstärke 4 auf Windstärke 6-7 auffrischte: Welche Kräfte sind da am Werk. Wie ohnmächtig ist ein Mensch angesichts solcher Naturgewalten.
Was ist der Mensch? 
Und wer heute heute nacht das Perseidenspektakel erlebt hat, kann nur in diese Frage mit einstimmen:
Was ist der Mensch?
Aber nicht nur angesichts der Natur stellen wir uns diese Frage: Auch wenn wir einen geliebten Menschen verlieren. Herbert Grönemeier hat seine Suche und seine Antwort auf diese Frage, die in ihm nach dem kurz aufeinanderfolgenden Tod seines Bruders und seiner Frau 2002 in einem Lied verarbeitet. Dass er damit eine zentrale Frage getroffen hat, dass er damit vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen hat, zeigt sich daran, dass es das meistverkaufte Album in Deutschland ist. In seinem Lied Mensch sagt er: 

„Und der Mensch heißt Mensch, weil er irrt und weil er kämpft,
weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt
und weil er lacht, und weil er lebt, du fehlst. …
Und der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt,
weil er schwärmt und glaubt, sich anlehnt und vertraut
und weil er lacht, und weil er lebt, du fehlst.“
Grönemeyer zählt in seiner Ohnmacht nach dem Tod beider geliebter Menschen auf, was für ihn einen Menschen zum Menschen macht – nicht die alltäglichen Dinge, sondern die Gefühle, die ihn wirklich tief bewegen. Aber er singt nichts darüber, wie der Mensch zum Menschen wird.
Bei der Vorbereitung der Predigt bin ich über eine Aussage des dänischen Atomphysikers Jens Martin Knudson gestoßen: „Ich bin überrascht. Überrascht über das wunderbare Leben. Einige meiner Kollegen sagen, dass ich den lieben Gott einschmuggele. Aber die Pastoren haben ja alle Fakten auf ihrer Seite. Das Leben ist unfassbar und wunderbar.... Wir können die Sterne verstehen, selbst ein schwarzes Loch und eine Supernova-Explosion können wir in den Gleichungen der Physik sehen. Aber das Leben selbst ist eines der größten Rätsel des Universums. ... Die alltäglichen Dinge, die wir um uns sehen, ein Blatt, einen Baum, eine Rose, ein Kind, wie sind sie nur aus der Wolke von Staub hervorgegangen, die einmal vor langer Zeit die Sonne umgab? 
Wie ist die Grundlage für die Musik Mozarts und die Farben van Goghs und die Worte Tolstois entstanden, als die Erde vor Milliarden von Jahren entstanden ist?“

Die Gefühle der Endlichkeit, der Ohnmacht des Menschen teilte auch der Psalmbeter vor gut 3000 Jahren beim Erleben der Weite des Himmels  
Wenn ich seh die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du gemacht: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst.
Auch der Psalmbeter erlebt sich selbst angesichts der Wunder der Schöpfung als klein, schwach, unbedeutend, endlich. Aber er ist sich dennoch sicher, dass Gott ihn - jeden Menschen - im Blick hat. Was ist der Mensch? Das ist für mich keine Frage, die der Psalmbeter stellt, sondern eine Aussage: So gering wir uns auch empfinden im Gegenüber zur Schöpfung, zur Weite des Himmels, des Monds und der Sterne: Gott sind wir wichtig. Er gedenkt unser. Er kümmert sich um uns, er sorgt für uns.
Und nicht nur das: Obwohl sich der Psalmbeter so gering empfindet, kommt er zu dem Schluss: Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Der Mensch ist geringer als Gott: aber nur ein wenig. Wir sind nur wenig geringer als Gott, aber eben nicht aus unserer eigenen Kraft; nicht, weil wir so viel geleistet haben; nicht weil wir das geschafft haben, was die Menschen mit dem Turmbau zu Babel erreichen wollten: Die Ebenbildlichkeit Gottes. 
Sondern weil wir von Gott selbst zu seinem Ebenbild gemacht wurden. 
Wir herrschen über die Welt: aber nicht durch unser eigenes Vermögen, durch all das, was wir durch unsere Neugier, unseren Forschungsdrang, unsere Intelligenz, durch die Wissenschaft erreicht haben, sondern weil Gott uns als Herrscher über all das gesetzt hat, was er geschaffen hat. 
Herrscher aus Gottes Gnaden – das wollten die Könige der Vergangenheit immer sein. Der Psalmbeter sagt nun: Wir sind Herrscher aus Gottes Gnaden – aber nicht als Einzelpersonen sondern als gesamte Menschheit. 
Unser Psalmbeter führt es nicht weiter aus, was dieses Herrscheramt des Menschen bedeutet, wie der Mensch es ausüben soll. Das ist an dieser Stelle aber auch nicht sein Ziel. 
Dem Psalmbeter geht es darum, was er angesichts der Gewaltigkeit der Schöpfung gespürt hat: Die Nähe, die Liebe Gottes zu dem sonst doch so geringen Menschen, den er zum Herrn gemacht hat über die gesamte Schöpfung. Diesem Gott ist er dankbar. Diesem Gott singt er sein Loblied. Diesen Gott erkennt er als seinen Herrscher an.
Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.

Der Friedensnobelpreisträger, Freiheitskämpfer und erste schwarze Präsident Südafrikas Nelson Mandela, der vor dreieinhalb Wochen seinen 94. Geburtstag feiern konnte, musste in seinem Leben viele Gegensätze aushalten. Aufgewachsen in der Königsfamilie der Thembu, Jurastudent, engagiert in der Antiapartheitsbewegung, 27 Jahre in Haft, von dem US-Präsidenten Ronald Reagen und der britischen Premierministerin Maggie Thatcher als „Terrorist“ angesehen, von anderen als Freiheitskämpfer mit vielen internationalen Friedenspreisen ausgezeichnet. Nelson Mandela ist ein Mann, der nach all seinen gegensätzlichen Erfahrungen Selbstbewusstsein und Bescheidenheit in sich vereinigt. 
Bei seiner Amtseinführung als Präsident sagte er Worte, denen wohl auch unser Psalmbeter aus vollem Herzen zustimmen würde: 
„Wir fragen uns, wer bin ich denn, um von mir zu glauben, dass ich brillant, großartig, begabt und einzigartig bin? Genau darum geht es, warum solltest du es nicht sein? Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen nützt der Welt nicht. Wir alle wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen. Sie ist nicht in einigen von uns, sie ist in jedem.“

Amen

Pfarrstellenausschreibung, Bewerbungsfrist bis 7.10.2019

Besuch der Klimentgemeinde, Prag in der DBG vom 11. -14.10.2019

Wir freuen uns sehr auf den Besuch von 16 Prager Gemeinde-
gliedern aller Altersgruppen.
7 Familien werden mit Pfarrer Balcar zu uns kommen. Näheres zum Besuch und zu Ihren Möglichkeiten, an der Begegnung teilzunehmen finden Sie hier.

Der Seniorenfrühstückstreff ist umgezogen!

Ab dem 5. September trifft sich der Seniorenfrühstückstreff vierzehntäglich donnerstags nicht mehr im Begegnungszentrum Bültmannshof sondern im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum am Brodhagen.

Das aktuelle Programm finden Sie hier:

Neuer Flyer zu unserer Partnerschaft mit Quilmes erschienen

Ein Klick auf die Überschrift leitet Sie sofort zum neuen Flyer zu unserer Partnerschaft mit neuen Bildern und Informationen weiter.

Pragreise zur Klimentgemeinde im Oktober 2018

Reisebericht, Bildergalerie und Predigt zu dieser Reise finden Sie hier.

Bibelwoche in der 1. Januarwoche 2019

Mit dem Thema "Galaterbrief: Leseversuche" kam Frau Professorin Dr. Brigitte Kahl vom 2. bis 6. Januar in unsere Gemeinde.  Einen Rückblick finden Sie hier.

Predigtreihe 2018: Die Schöpfungserzählungen im 1. Buch Mose

Gründung der Umweltgruppe Grüner Hahn

Es werden noch Interessierte zur Mitarbeit gesucht. Nähere Informationen finden Sie unter dem Reiter "Gruppen - Umweltgruppe Grüner Hahn" oder durch Klick auf den grünen Hahn.