2.August 2015 Friedenskämpfer und Mann des Widerstands „Könnte ich doch hören, was Gott redet, dass er Friede zusagt seinem Volk.“ (Psalm 85,9) Pfarrer Gerhard Sternberg

Liebe Schwestern und Brüder,

„Du sollst nicht töten!“ Ein eindeutiges Gebot Gottes. Und doch haben wir unsere Gemeinde nach einem Christen, einem Theologe und Pfarrer benannt, der den Mord an einem Menschen nicht nur befürwortet, sondern sich aktiv an den Vorbereitungen beteiligt hat. 

Wer in den letzten drei Wochen unsere Gottesdienste besucht hat oder auf unserer Homepage die Predigten nachgelesen hat, hat viel von diesem Christen, von Dietrich Bonhoeffer gehört: Uli Wehmann erzählte davon, dass Beten und Tun des Gerechten für Bonhoeffer untrennbar zusammen gehörten und es ihm daher sehr wichtig war, seinen Mund für die Stummen aufzutun. Andreas Heitland machte uns dann deutlich, dass Dietrich Bonhoeffer kein Übermensch war und erzählt eindrücklich von den Zweifeln und Glaubenskämpfen, von der Hoffnung und der Verzweiflung in der über zweijährigen Gefangenschaft Bonhoeffers. Andreas Smidt-Schellong hat in seiner Predigt deutlich gemacht: „Jesus war Jude!“ und ist für die Lebens- und Bürgerrechte von Jüdinnen und Juden eingetreten – gegen den Strom der Zeit – und hat der rassistischen Ideologie der Nazis offen und mutig widersprochen: „Wer die Juden aus Europa vertreibt, vertreibt Jesus Christus aus Europa.“

Und heute möchte ich mit Ihnen über Dietrich Bonhoeffer als Friedenskämpfer und Mann des Widerstands nachdenken.

Im August 1934 fand auf der dänischen Insel Fanö eine ökumenische Jugendkonferenz des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen statt. In einer Andacht, die Bonhoeffer dort hielt, wird deutlich, wie er Frieden versteht: „Ach, dass ich hören sollte, was der Herr redet, dass er Frieden zusagt seinem Volk und seinen Heiligen“ Dieser Vers aus dem 85 .Psalm ist für ihn nicht nur eine fromme Hoffnung für die Zukunft sondern ein bindendes Gebot Gottes. “Friede auf Erden“ ist für ihn keine Frage der Diskussion, sondern fordert den unbedingten blinden Gehorsam der Tat von uns. „Friede soll sein, weil Christus in der Welt ist. D.h. Friede soll sein, weil es eine Kirche Christi gibt, um deretwillen allein die ganze Welt noch lebt. Und diese Kirche Christi lebt zugleich in allen Völkern und doch jenseits aller Grenzen völkischer, politischer, sozialer, rassischer Art. Darum ist den Gliedern der Ökumene, sofern sie an Christus bleiben, sein Wort und Gebot des Friedens heiliger, unverbrüchlicher als die heiligsten Worte und Werke der natürlichen Welt… Sie können nicht die Waffen gegeneinander richten, weil sie wissen, dass sie damit die Waffen auf Christus selbst richteten.“

Dies sagt Bonhoeffer 1934, knapp eineinhalb Jahre nach der Machtergreifung Hitlers und 5 Jahre vor Beginn des 2. Weltkrieges. Sehr früh ist Bonhoeffer also klar, wohin der Weg in Deutschland unter Hitler führen wird. Und so setzt er sich für den Frieden ein – als bindendes Gebot Gottes.

Viele von uns wissen, dass die evangelische Kirche in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus nicht geschlossen auf einer Seite stand: Es gab die Deutschen Christen, den Teil der evangelischen Kirche, der die Politik des Nationalsozialismus unterstützte. Es gab die Bekennende Kirche, die sich auf den Bekenntnissynoden 1934 in Wuppertal-Barmen und Berlin-Dahlem, 1935 in Augsburg und 1936 in Bad Oeynhausen formierte und davon überzeugt war, dass die Kirche in der Nachfolge Christi Position beziehen muss, wenn andere Kirchenvertreter behaupten, dass nationalsozialistischen Parolen und Überzeugungen mit dem evangelischen Glauben vereinbar seien. Und es gab die vielen Gemeinden und Pfarrer, die sich irgendwo dazwischen zur politischen Situation eher schweigend verorteten. 

Bonhoeffer selbst hatte schon 1933 eine Pfarrstelle in London angetreten, da er es nicht ausgehalten hat, in dieser politischen Situation in Deutschland zu arbeiten. Doch die Gründung der bekennenden Kirche machte ihm neuen Mut und er kehrte 1935 nach Deutschland zurück und bezog eindeutig Position. Er betreute die Ausbildung von Pfarrern im Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde. Auch dort äußerte er sich öffentlich, so dass die Gestapo ihn schnell als Pazifisten und Staatsfeind eingeordnet hatte. 1936 wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen, 1937 dann das ganze Predigerseminar verboten. Aber Bonhoeffer machte weiter – mit der Ausbildung der Pfarrer im Untergrund und mit seiner politischen Tätigkeit, ja er weitete sie sogar noch aus. Er kam zum Beispiel über seinen Schwager mit Admiral Canaris vom Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) in Kontakt, der heimlich im Widerstand engagiert war und Bonhoeffer mit offiziellen Auslandsaufträgen Deckung gab. So konnte Bonhoeffer seine vielfältigen Auslandskontakte nutzen, um zu versuchen, die Arbeit der Widerstandsgruppen in Deutschland mit den Aktivitäten im Ausland abzustimmen. Am 5 April 1943 wurde Bonhoeffer dann verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, sein Amt für kirchenpolitische Zwecke zu missbrauchen. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20 Juli entdeckte die Gestapo dann Beweise für Bonhoeffers konspirative Tätigkeit. Kurz vor dem Eintreffen der amerikanischen Soldaten wurde er dann am 8. April 1945 auf persönlichen Befehl Hitlers im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Dietrich Bonhoeffer hat ernst gemacht mit dem, was er in seiner Andacht 1934 auf Fanö gesagt hat. „Wie wird Friede?“ fragt er und erklärt, dass Friede nicht durch politische Verträge, durch Kapital oder durch friedliche Aufrüstung zu erreichen ist, weil dabei Friede mit Sicherheit verwechselt wird. „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Frieden muss gewagt werden… Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg. Sicherheiten suchen heißt sich selber schützen wollen. Friede heißt sich gänzlich ausliefern dem Gebot Gottes… Kämpfe werden nicht mit Waffen gewonnen, sondern mit Gott. Sie werden auch dort noch gewonnen, wo der Weg ans Kreuz führt.“ 

Und er forderte, dass alle Kirchen in der ökumenischen Weite geschlossen gemeinsam zum Frieden aufrufen: „dass die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muss und dass die Völker froh werden, weil diese Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt“ 

Doch mit der veränderten Situation wenige Jahre später, mit dem Krieg, dem 'in den Tod schicken' der Wehrmachtssoldaten und dem Massenmord an Juden und Andersdenkenden durch die Nazis kam zu Bonhoeffers Auffassung vom gewaltfreien Widerstand ein neuer Aspekt, besser gesagt eine neue Notwendigkeit. 

Er erkannte für sich, dass es Situationen gibt, in denen man nur schuldig werden kann: Er sah für sich nur zwei Alternativen: Er konnte weiterhin zulassen, dass unzählige Menschen durch den Krieg und die Massenmorde getötet werden und damit durch Passivität an jedem einzelnen Tod mitschuldig werden. Oder er konnte sich aktiv der Planung eines Attentats auf den Tyrannen Hitler anschließen und damit schuldig werden an der Planung eines Mordes und dem Bruch des Gebotes: „Du sollst nicht töten!“ 

„Schuldig werden durch Nichtstun!“ oder „Schuldig werden durch Tun!“ 

Einen dritten Weg gab es nicht! 

Und so entschied sich Bonhoeffer, die Schuld auf sich zu nehmen, durch die Mitplanung eines Mordes an einem Menschen viele andere Menschen vor dem Tod zu bewahren und selbst auf die Vergebung Gottes zu hoffen. „Es genügt nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad in die Speichen fallen.“   

Konsequent ging Bonhoeffer diesen Weg. Nicht ohne Anfechtungen. Mein lieber Kollege Andreas Heitland hat es in seiner Predigt vor zwei Wochen sehr deutlich gemacht, wie hin- und hergerissen Bonhoeffer in den zwei Jahren seiner Haft war. Und dennoch gelang es ihm immer wieder, seinen Mitgefangenen Trost und Kraft zu spenden. Auch das Gedicht „Wer bin ich“, das wir vorhin gehört haben, und das als Faksimile der Originalhandschrift hier in unserer Kirche hängt, spiegelt diesen Zwiespalt wieder.

Dietrich Bonhoeffer, ein Mann, der sehr früh erkannt hat, wohin der Nationalsozialismus Deutschland führen würden und der dennoch – oder gerade deswegen ein Mann des Widerstands und ein Friedenskämpfer wurde. 

Dietrich Bonhoeffer, ein großartiger Theologe, der uns gelehrt hat, dass das Leben eines Christen beides braucht: Das Beten, aber auch das Tun des Gerechten, dass Bibel und Zeitung zusammen gehören wie auf unserem Gemeindesiegel. 

Dietrich Bonhoeffer, ein Anwalt der Stummen, der ohne Rücksicht auf die Folgen für sein eigenes Leben für die Rechte der Juden eingetreten ist und dem Rad in die Speichen gefallen ist.

Dietrich Bonhoeffer, der nicht nur der mutige Märtyrer war, sondern auch ein Mensch, den Zweifel und Ängste immer wieder plagten und der sich dennoch von seinem Gott geborgen wusste, behütet und getröstet wunderbar.

Was den Menschen, Christen, Theologen, Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer ausmacht, kommt meines Erachtens unübertroffen in seinem Gedicht „Von guten Mächten“ zum Ausdruck, das er an seine Eltern zum Jahreswechsel 1944/45 im Gefängnis geschrieben hat und das wir nach dem Instrumentalstück des Posaunenchores singen werden. 

Von guten Mächten treu und still umgeben, 
behütet und getröstet wunderbar, 
so will ich diese Tage mit euch leben 
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen, 
noch drückt uns böser Tage schwere Last. 
Ach, Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen 
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern 
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, 
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern 
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken 
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, 
dann wolln wir des Vergangenen gedenken 
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, 
die du in unsre Dunkelheit gebracht. 
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. 
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, 
so lass uns hören jenen vollen Klang 
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, 
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, 
erwarten wir getrost, was kommen mag. 
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen 
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Amen.

Konzert mit Pablo Miro in der Bodelschwinghkirche

Am Freitag, den 19. Januar 2018 gastiert der Gitarrist und Sänger Pablo Miró

mit seinem Vorrelease-Konzert "Sólo-Version" "Courage"

in der Bodelschwinghkirche, Voltmannstraße 265.
Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr, Einlass und Abendkasse ab 19.30 Uhr.
Eintritt 12,00 €/ 10,00 € ermäßigt. Im Gemeindebüro sind Eintrittskarten im Vorverkauf für 10.00 € erhältlich.

Bibelwoche im DBZ

In der zweiten Januarwoche laden wir herzlich zur Bibelwoche 2018 mir Professor Rainer Kessler zum Thema: "Ethik des Alten Testamentes" ein nähere Informationen zu den einzelnen Abenden finden Sie hier und auf dem Flyer zur Bibelwoche 2018.  

Kunstausstellung im DBZ - Textiles von Wolfgang Stracke

Das Herstellen von Textilem ist dem Menschen seit altersher ein ursächliches Bedürfnis. Die Technik, einen Faden zu spinnen und zu einem Gewebe zu vereinen, ist uraltes Handwerk. Die Arbeiten von Wolfgang Stracke – es sind Antependien, Applikationsstickereien, Webereien und Patchworkarbeiten – erhalten ihren spezifischen Ausdruck durch die sensible Materialauswahl, durch den Kontrast der unterschiedlichen Webarten und durch das Nebeneinander der Materialfarben.

Während das gemalte Bild grundsätzlich illusionistischen Charakter hat, ist das textile Wandbild greifbar im Raum. Das Material eines textilen Wandbildes verlangt nach Sinnbedürfnis in sich selbst und nicht in seiner Illusion.

Die Ausstellung ist bis März in den Räumen der Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zu sehen.

Öffnungszeiten: Mo. 10-12 Uhr, Mi. 11-13 Uhr, Do. 16-18 Uhr, Fr. 10-12 Uhr und So. nach dem Gottesdienst (11.30 Uhr).

Die Ausstellung wird am 19. November um 11.30 Uhr eröffnet.

Baustelle Homepage

Vor kurzem wurde die Software dieser Homepage überarbeitet. Dabei wurde der Datensatz der alten Homepage übernommen. Leider klappte das nicht fehlerlos. 

Daher ist auf vielen Seiten das Erscheinungsbild dringend überarbeitungsbedürftig. Untergliederungspunkte sind oftmals nicht mehr direkt auf der Seite erreichbar und müssen über das Menüband aufgerufen werden. Und vieles mehr.

Doch eine solche Überarbeitung neben der "normalen" Gemeindearbeit  braucht Zeit. Bitte haben Sie ein wenig Geduld, bis alles auf dieser Homepage wieder so aussieht, wie wir es gerne hätten. Vielen Dank.

Predigtreihe 2017 zu Martin Luther in der Matthäuskirche

In diesem Sommer gab es in der Matthäuskirche sonntags um 10.30 Uhr eine Predigtreihe über Martin Luther. Wie in den vergangenen Jahren finden Sie die gehaltenen Predigten hier: 

30.07. "Luther und die Bibel" Pfarrer Andreas Heitland

06.08. "Luther und die Frauen der Reformation" Pfarrer Ulrich Wehmann

13.08. "Luther und die Juden" Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

20.08. "Luther und die 95 Thesen" Pfarrer Gerhard Sternberg

 

 

 

Ich bin so frei - Luthertheater in der Bodelschwinghkirche

Bibelwoche 2017: Gewalt in Gott? Über den Umgang mit heiligen Schriften.

Vom 4. bis 8. Januar fand unsere Bibelwoche 2017 statt. Nähere Informationen finden Sie  auf unserem Flyer und im Rückblick, die Predigt vom Abschlussgottesdienst der Bibelwoche finden sie hier.

Predigtreihe 2016 zu Liedern der Reformation

Mit Ausblick auf das „Jubiläum 500 Jahre Reformation“ haben wir in diesem Sommer  der wohl nachhaltigsten „Erfindung“ der Reformation unsere Predigtreihe gewidmet, dem Gemeindegesang.

Nähere Informationen,die Themen der einzelnen Gottesdienste und die Predigten finden Sie hier

Predigtreihe 2015 zu Dietrich Bonhoeffer

Die Predigten zu unserer Predigtreihe zu Dietrich Bonhoeffer finden Sie unter Gottesdienste, Predigtreihe 2015 Dietrich Bonhoeffer

Gründung der Umweltgruppe Grüner Hahn

Es werden noch Interessierte zur Mitarbeit gesucht. Nähere Informationen finden Sie unter dem Reiter "Gruppen - Umweltgruppe Grüner Hahn" oder durch Klick auf den grünen Hahn.

Predigtreihe 2014

Unter dem Titel "Die Zukunft ist sein Land" fand in den Sommerferien 2014 vom 20.7. bis 10.8. wieder eine Predigtreihe in der Matthäuskirche statt. Nähere Infos und die gehaltenen Predigten finden Sie hier.

Die Predigten unsere Predigtreihe 2013: Jona

Die Predigten unserer Predigtreihe zum Buch Jona finden Sie ab sofort  unter Gottesdienste: Predigtreihe 2013.  

Predigtreihe Psalmen 2012

Unter Gottesdienste / Predigtreihe Psalmen finden Sie die Predigten unserer Predigtreihe in den Sommerferien 2012.