19.Juli 2015 Die Hoffnung des Glaubens in den Berliner Gefängnissen und im KZ Flossenbürg „Gelobt sei Gott, der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung!“ (1.Petrus 1,3) Pfarrer Andreas Heitland

Liebe Gemeinde,

vielleicht geht es ihnen wie mir. Es gibt Rückblicke auf Dietrich-Bonhoeffer, die ihn oft übermenschlich erscheinen lassen. Ein protestantischer Heiliger sei er, ist dann zu lesen – oder ein evangelischer Märtyrer. Ich glaube nicht, dass ihm solche Titel recht wären. Ich habe Hochachtung vor seinen Entscheidungen, seiner Klarheit in vielen Gedanken und für seinen mutigen Weg. Aber er war kein unangreifbarer, religiöser Hero. Er war voller Ängste, Zweifel, Schuldgefühle, wie er andererseits vertraute, betete und hoffte. Gerade diese innere Auseinander-setzung in den zwei Jahren in Gefangenschaft bewegt mich bis heute.

Wir haben aus dieser Zeit viele Aufzeichnungen und Briefe, die im Buch „Widerstand und Ergebung“ herausgegeben wurden. Sie zeigen Bonhoeffer nicht als übermenschlichen Held und abgehobenen Heiligen. Von der Gestapo eingesperrt in Zelle 92, von 2x3m und einer kleinen Fensterluken über Kopfhöhe, - ausgestattet mit einer Pritsche, einem Wandbrett, einem Schemel und einem Kübel, und zu Anfang Isolationshaft. Das war aussichtslos. Und D.-Bonhoeffer hat das so empfunden. Es war kein dunkles Tal, durch das er gehen musste, wie es im Psalm 23 heißt. In einem Tal kann man sich noch bewegen, man könnte sogar umkehren und zurücklaufen. Er aber war eingesperrt, isoliert.

Er hatte Befürchtungen, dass er den Verhören nicht Stand halten und vielleicht Namen der Freunde draußen preisgeben würde. Er wusste um Folter und Misshandlungen. Er war verzweifelt. Auf einem Zettel - vermutlich aus dem Mai 1943 - ist eine Notiz zu lesen, dass er an Selbstmord dachte. In seiner typischen Handschrift steht darauf: Unzufriedenheit – Gespanntheit – Ungeduld – Sehnsucht – Langeweile -  Krank, tief einsam – Gleichgültigkeit – Beschäftigungsdrang, Abwechslung, Neuigkeit – Stumpfheit, Müdigkeit, schlafen – dagegen Ordnung, das Phantasieren, Verzerrung der Vergangenheit und Zukunft.

Selbstmord, nicht aus Schuldbewusstsein, sondern weil ich im Grunde schon tot bin, Schlussstrich. --- Fazit.

Diese Wortstrecke ist zuerst eingerahmt, aber dann von ihm mit einem Andreaskreuz durchgestrichen. Darunter stehen neue Gedanken von der Überwindung von Schuld und Schmerz, die mit dem Satz enden: Überwindung im Gebet! 

Dieser Zettel ist ein Zeugnis dafür, wie sehr er gerungen und ihn die Isolation bedrängt hat. Da ist nichts zu spüren von Gottvertrauen und Hoffnung. Erst am Ende mit dem Satz Überwindung im Gebet.

Für Bonhoeffer ist das Gebet eine Kraftquelle in all den Jahren des Widerstands und auch jetzt. Darin hat er immer wieder Halt gefunden. Sein Morgengebet habe ich darum heute gebetet. Es gab auch im Gefängnis noch einen anderen Weg, als er es auf dem kleinen Zettel zu Anfang notierte. Sogar Freundschaften sind im Gefängnis entstanden, zu Mithäftlingen und selbst zum Wachpersonal. Mich bewegt diese Kraft Bonhoeffers, die er aus dem Zwiegespräch mit Gott - im Beten schöpfen konnte.

Was hat ihm darüber hinaus Hoffnung gemacht und wie konnte er Vertrauen bewahren und ein mutiges Beispiel für andere geben? Neben dem Gebet hat ihm die Musik viel bedeutet auch in der Zelle. Paul-Gerhardts Lieder kannte er auswendig, auch Choräle von Schütz und andere Musik erwähnt er in seinen Briefen immer wieder. Goethe und den Plutarch hatte er noch auf der letzten Fahrt nach Flossenbürg bei sich. Aber das alles war nicht die grundlegende Kraft-quelle für ihn. Stärkste Kraft war die Bibel, Gottes Wort. Man kann in seinen Briefen immer wieder lesen, wie sehr er über Bibelworte nachdenkt und sie direkt auf seine Situation bezieht, - wie er daraus Zukunft gewinnt, Hoffnung für sich und für einen Weg der Kirche in all diesem Chaos.

In den zwei Jahren im Gefängnis sind so viele wertvolle Gedanken entstanden, die mich noch heute tief berühren. Schon aus den Anfängen wissen wir, dass Dietrich Bonhoeffer stets in der Bibel gelesen hat. Die tägliche Losung oder Bibellese war für ihn eine liebe Übung. Bonhoeffer hat sich unmittelbar vom biblischen Wort leiten lassen. Z.B. als er 1939 in New York eine Gastdozentur antreten konnte und seine Freunde, - besonders sein Studienfreund Frank Fisher, ihn bei Ausbruch des Weltkrieges beknieten doch in der Sicherheit der USA zu bleiben. Da war es ein Wort aus Jesaja 28, das ihm half. Der Prophet sagt dort im Vers 16: „Wer glaubt, der flieht nicht!“ – Dieser Satz sprach in das Leben Dietrich-Bonhoeffers. Die Bibel half ihm oft, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Mich tröstet diese Kraft des Wortes Gottes, weil ich sie auch in unserer Zeit erwarten darf. Im Gefängnis hat Dietrich-Bonhoeffer angefangen die Bibel noch einmal ganz durchzulesen. Er nennt ausdrücklich die Psalmen mit ihrem durchlebten Glauben, der aus ihnen spricht, dass er täglich in ihnen liest. Sie haben geholfen alles Schwere zu verarbeiten und die Hoffnung zu bewahren. „Es gibt kein Buch, das ich so kenne und liebe wie dieses.“

Noch am letzten Tag vor seiner Ermordung im KZ Flossenbürg tritt ein Bibelwort in seinen Focus, das ihn für dieses Ende stärkt. Ich erkenne darin Gottes Leiten und Führen, wie auch bei vielen anderen Entscheidungen Bonhoeffers.

Am 5. April hatte Hitler entschieden, die Widerstandsgruppe der Abwehr im Schnellverfahren zu liquidieren. Aus Buchenwald ging ein Transport Richtung Flossenbürg. Neben Bonhoeffer waren darin u.a. der Rechtsanwalt Josef Müller vom katholischen Widerstand, Hauptmann Gehre, Kapitän Liedig, die Generäle v. Falkenhausen,  v. Rabenau und Staatssekretär Pünder. Aber auch mehrere britische Flieger u.a. Payne Best und auch der Neffe Molotows - Wassili Kokorin.

Als sie beim Abzweig Weiden, 20 km vor Flossenbürg ankommen, heißt es dort. „Weiterfahren, können euch nicht behalten... zu voll.“ So geht die Fahrt über Regensburg weiter bis in die Schule von Schönberg südl. des Bayerischen Waldes, 161 km von Flossenbürg entfernt. Erleichterung machte sich breit. Es ist das Wochenende nach Ostern 1945, der Sonntag Quasimodogeniti: Wie die neugeborenen Kinder. Sie konnten in richtigen Betten schlafen, es gab Pellkartoffeln. Vielleicht war das ein Gefühl wie neugeboren. Sollte die Vernichtungsmaschinerie der Nazis nicht mehr funktionieren? Waren sie bald gerettet?

An diesem Sonntag bitten alle D.-Bonhoeffer, eine Andacht zu halten, auch der Atheist Kokorin. Und Bonhoeffer nimmt die Tageslese 1. Petrus 1,3. Diesen Vers habe ich uns eben im Zusammenhang gelesen habe. „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

Dieser Vers hat die christliche Hoffnung zum Thema. Er ist ein Trostwort an eine Gemeinde, die unter der aufkommenden Christenverfolgung zu leiden hat. Eine ähnliche Situation also wie sie die Gefangenen erleben. Dieser Vers hält fest, dass Christen ihre neue Existenz nicht einem Entschluss oder einer Entscheidung verdanken, sondern allein einem Tun Gottes. Gott hat mit der Auferstehung Jesu von den Toten einen Neuanfang geschaffen. Eine neue Lebenswirklichkeit ist eröffnet: in Christus seid ihr eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen – so sagt es Paulus. 

In dieses neue Leben sind die verfolgten Christen damals, wie zu Zeiten Bonhoeffers, wie heute schon jetzt hineingestellt, sind Berufene durch Gottes Wort und durch die Taufe. Davon zeugt der Begriff Wiedergeburt. Gottes barmherziges Tun ist es. Damit liegen die christliche Hoffnung und alle Kraft, die daraus erwächst, nicht in uns. Wir machen sie nicht selbst. Sie ist keine Hoffnung als entwickelte Utopie, oder als Traum, kein erdachter Zukunftsentwurf. Gott allein schenkt(!) diese Hoffnung in der Auferstehung Jesu Christi und mit der Verheißung, die daraus folgt. Wir haben Leben - wie ein Erbe - schon sicher bei Gott. Darum ist es lebendige Hoffnung.

Und sie wirkt auch schon jetzt im Alltag belebend. Christliche Hoffnung beweist sich als Kraft zur Kritik, zum Widerstand, zeigt sich in Geduld und unter Bedrängnis in der Nachfolge. Sie zeugt schon jetzt von Gottes „Lebensweg“ und Frieden.

So predigt Bonhoeffer an diesem Sonntag von der Hoffnung. Spricht von den Hoffnungen und Vorsätzen, die jeder aus seiner Gefangenschaft mit in die Freiheit nehmen wird. Was sich alles ändern lässt in Zukunft. Dann aber wird die Tür aufgerissen und es heißt: „Gefangener Bonhoeffer, fertigmachen und mitkommen.“ Dem Engländer Payne Best gibt er noch einen Gruß für Bischoff Bell nach England mit. Zumeist kennen wir nur die ersten Worte dieses letzten überlieferten Gedankens Bonhoeffer. Aber ich will ihn vollständig an den Schluss meiner Predigt stellen: „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens. Ich glaube an die universale christliche Brüderlichkeit über alle nationalen Interessen hinweg, und ich glaube, dass uns der Sieg sicher ist.“

Bonhoeffers Gedanken sind am Ende wieder ganz auf die Ökumene gerichtet. Nur als weltoffene und mit allen weltweit in Liebe verbundene Christen sind wir die rechten Zeugen der unfassbaren Hoffnung, die Gott uns geschenkt hat. Nicht mit einem engen, den Atem raubenden Pegida-Deutschtum und dem neuen Nationalismus unserer Tage, den wir wieder erleiden und dem wir widerstehen müssen.

Dietrich-Bonhoeffer ist nicht nur Namensgeber unserer Gemeinde, sondern seine Hoffnung ist unsere …und sein Vorbild und seine Zukunftserwartung ist unsere Aufgabe. Quelle und Grund dieser Hoffnung ist immer die Bibel, sind Gottes Wort und sein Tun allein. Darum möchte ich Sie alle ermuntern, Ihre Bibel wieder täglich zur Hand zu nehmen oder ein Losungsheft, und darin zu lesen und sich persönlich ansprechen zu lassen.

Was haben wir denn noch, wenn wir einmal nichts mehr in Händen haben? – Nur diese Hoffnung allein. Sie kann uns niemand nehmen. Das habe ich von Dietrich Bonhoeffer gelernt und durfte es Ihnen heute predigen. Amen.

Konzert mit Pablo Miro in der Bodelschwinghkirche

Am Freitag, den 19. Januar 2018 gastiert der Gitarrist und Sänger Pablo Miró

mit seinem Vorrelease-Konzert "Sólo-Version" "Courage"

in der Bodelschwinghkirche, Voltmannstraße 265.
Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr, Einlass und Abendkasse ab 19.30 Uhr.
Eintritt 12,00 €/ 10,00 € ermäßigt. Im Gemeindebüro sind Eintrittskarten im Vorverkauf für 10.00 € erhältlich.

Bibelwoche im DBZ

In der zweiten Januarwoche laden wir herzlich zur Bibelwoche 2018 mir Professor Rainer Kessler zum Thema: "Ethik des Alten Testamentes" ein nähere Informationen zu den einzelnen Abenden finden Sie hier und auf dem Flyer zur Bibelwoche 2018.  

Kunstausstellung im DBZ - Textiles von Wolfgang Stracke

Das Herstellen von Textilem ist dem Menschen seit altersher ein ursächliches Bedürfnis. Die Technik, einen Faden zu spinnen und zu einem Gewebe zu vereinen, ist uraltes Handwerk. Die Arbeiten von Wolfgang Stracke – es sind Antependien, Applikationsstickereien, Webereien und Patchworkarbeiten – erhalten ihren spezifischen Ausdruck durch die sensible Materialauswahl, durch den Kontrast der unterschiedlichen Webarten und durch das Nebeneinander der Materialfarben.

Während das gemalte Bild grundsätzlich illusionistischen Charakter hat, ist das textile Wandbild greifbar im Raum. Das Material eines textilen Wandbildes verlangt nach Sinnbedürfnis in sich selbst und nicht in seiner Illusion.

Die Ausstellung ist bis März in den Räumen der Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zu sehen.

Öffnungszeiten: Mo. 10-12 Uhr, Mi. 11-13 Uhr, Do. 16-18 Uhr, Fr. 10-12 Uhr und So. nach dem Gottesdienst (11.30 Uhr).

Die Ausstellung wird am 19. November um 11.30 Uhr eröffnet.

Baustelle Homepage

Vor kurzem wurde die Software dieser Homepage überarbeitet. Dabei wurde der Datensatz der alten Homepage übernommen. Leider klappte das nicht fehlerlos. 

Daher ist auf vielen Seiten das Erscheinungsbild dringend überarbeitungsbedürftig. Untergliederungspunkte sind oftmals nicht mehr direkt auf der Seite erreichbar und müssen über das Menüband aufgerufen werden. Und vieles mehr.

Doch eine solche Überarbeitung neben der "normalen" Gemeindearbeit  braucht Zeit. Bitte haben Sie ein wenig Geduld, bis alles auf dieser Homepage wieder so aussieht, wie wir es gerne hätten. Vielen Dank.

Predigtreihe 2017 zu Martin Luther in der Matthäuskirche

In diesem Sommer gab es in der Matthäuskirche sonntags um 10.30 Uhr eine Predigtreihe über Martin Luther. Wie in den vergangenen Jahren finden Sie die gehaltenen Predigten hier: 

30.07. "Luther und die Bibel" Pfarrer Andreas Heitland

06.08. "Luther und die Frauen der Reformation" Pfarrer Ulrich Wehmann

13.08. "Luther und die Juden" Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

20.08. "Luther und die 95 Thesen" Pfarrer Gerhard Sternberg

 

 

 

Ich bin so frei - Luthertheater in der Bodelschwinghkirche

Bibelwoche 2017: Gewalt in Gott? Über den Umgang mit heiligen Schriften.

Vom 4. bis 8. Januar fand unsere Bibelwoche 2017 statt. Nähere Informationen finden Sie  auf unserem Flyer und im Rückblick, die Predigt vom Abschlussgottesdienst der Bibelwoche finden sie hier.

Predigtreihe 2016 zu Liedern der Reformation

Mit Ausblick auf das „Jubiläum 500 Jahre Reformation“ haben wir in diesem Sommer  der wohl nachhaltigsten „Erfindung“ der Reformation unsere Predigtreihe gewidmet, dem Gemeindegesang.

Nähere Informationen,die Themen der einzelnen Gottesdienste und die Predigten finden Sie hier

Predigtreihe 2015 zu Dietrich Bonhoeffer

Die Predigten zu unserer Predigtreihe zu Dietrich Bonhoeffer finden Sie unter Gottesdienste, Predigtreihe 2015 Dietrich Bonhoeffer

Gründung der Umweltgruppe Grüner Hahn

Es werden noch Interessierte zur Mitarbeit gesucht. Nähere Informationen finden Sie unter dem Reiter "Gruppen - Umweltgruppe Grüner Hahn" oder durch Klick auf den grünen Hahn.

Predigtreihe 2014

Unter dem Titel "Die Zukunft ist sein Land" fand in den Sommerferien 2014 vom 20.7. bis 10.8. wieder eine Predigtreihe in der Matthäuskirche statt. Nähere Infos und die gehaltenen Predigten finden Sie hier.

Die Predigten unsere Predigtreihe 2013: Jona

Die Predigten unserer Predigtreihe zum Buch Jona finden Sie ab sofort  unter Gottesdienste: Predigtreihe 2013.  

Predigtreihe Psalmen 2012

Unter Gottesdienste / Predigtreihe Psalmen finden Sie die Predigten unserer Predigtreihe in den Sommerferien 2012.