Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld Matthäuskirche

Liebe Schwestern und Brüder 

„Die Zukunft ist sein Land“ – dazu haben wir uns in  unserer Predigtreihe in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht.

Uli Wehmann hat unter dem Stichwort „Heimaterde – Glaubenserde“ deutlich gemacht, dass der Glaube sich nicht von Landesgrenzen aufhalten lässt, dass Gottes Wort multinational ist.

Andreas Heitland hat uns dahin geführt, dass das Land als Bild der Verheißung seine Symbolkraft als Hoffnungszeichen verloren hat und heute eher zum Symbol für Gier, Gewalt und Unrecht geworden ist. Wir sind als Glaubende Nomaden in Zelten, die wie unsere Vorfahren im Glauben unterwegs sind in das Land der Verheißung einer gerechten Welt, das in der Zukunft liegt und den neuen Wegen, die uns Gott führt,  vertrauen dürfen.

Andreas Smidt-Schellong kommt bei dem Ackerkauf von Anatot unter der Überschrift „Land als Heilsgabe und Fülle des Lebens“ zu dem Schluss:  Wenn alles um einen herum hoffnungslos und ohne Perspektive aussieht, dann brauche ich ein Stück Land, um dort mein Apfelbäumchen zu pflanzen, um den bestehenden Verhältnissen etwas entgegenzusetzen. Denn Gottes Bund gilt gegen den Augenschein. Er wird ihn immer wieder erneuern. 

Heute nun werden wir einen Blick auf ein Gleichnis Jesu werfen, in dem es auch um das Land geht. 

Land – das ist Erde, wie ich sie jetzt hier im Altarraum verteile. Gute fruchtbare Erde, auf der so viel Schönes und Lebenswichtiges wachsen kann.

Doch das Land, die gute Erde ist nicht überall gleich. Menschen und Tiere gehen über das Land, verdichten es mit ihrem Gewicht. Es bilden sich Wege. Ich mache einen solchen Weg einmal mit Sand erkennbar. 

An anderen Stellen ist das Land, die Erde durchsetzt von vielen Steinen, ist es ein eher felsiger Boden.

Stellenweise haben sich schon Pflanzen angesiedelt, doch nicht unbedingt die Pflanzen, die wir gerne auf dem Boden sehen. Es sind schnell wachsende, starke, stachelige und dornige Pflanzen.

Nun haben wir den Boden bereitet für unseren Predigttext:

Ich lese Lukas 8, 5 – 15

Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

9 Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. 10 Er aber sprach: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören.

11 Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. 12 Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. 13 Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. 14 Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht. 15 Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten  in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Liebe Schwestern und Brüder,

Wenn wir heute an einen Bauern denken, der seine Saatkörner aussät, dann haben wir guten fruchtbaren gedüngten Ackerboden, bei dem jedes einzelne Samenkorn eine große Chance hat, aufzugehen. Und wir sehen gerade zu dieser Jahreszeit die reifen Felder, auf denen wir kaum eine Lücke finden. Dicht an dicht steht jede Ähre und bringt vielfältig Frucht.

Die Zuhörer Jesu lebten damals in Israel unter ganz anderen Bedingungen. Es war ein karges felsiges trockenes Land. Und dementsprechend waren auch die Äcker. In den Gleichnissen erleben wir mit, wie Jesus den Alltag seiner Hörer aufgreift. Für Jesu Hörer ist gerade das Gleichnis vom vierfachen Acker etwas, was sie sehr gut nachvollziehen können. Sie kennen das Land, in dem sie leben. Sie wissen, wie schwer der Beruf des Bauern ist, wie viele Ausfälle die Bauern haben. Wer von den Hörern selbst ein kleines Stückchen Land bewirtschaftet, erlebt das gleiche immer wieder:

Nur ein kleiner Teil des Saatgutes bringt richtig Frucht. Manches wird gleich weggefressen, anderes geht zwar erst auf, doch weil es auf dem steinigen Boden keine starken Wurzeln hervorbringen kann, verdorrt es schnell in der Sommerhitze.

Anderes wird vom Unkraut, von den Dornen erstickt. Nur ein Teil bringt wirklich Frucht. Doch dann in überreichem Maße. Aus einem Korn wachsen 100 neue Körner.

Jeder konnte diese Worte damals leicht nachvollziehen. 

Aber warum erzählt Jesus diese bekannte Tatsache? Was will er ihnen damit sagen? Wer Ohren hat zu hören, der höre! Das ist der einzige Anhaltspunkt, den ihnen Jesus gibt, das Gleichnis zu verstehen. Sonst gibt er oft Hilfestellungen: Mit dem Himmelreich ist es wie … oder mit dem Himmelreich verhält es sich wie … Dann weiß man als Hörer, woran man ist. Aber hier? Was meint Jesus. Was will er ihnen sagen?

Die Jünger sind hier genauso ratlos wie die anderen Hörer. Doch sie fragen nach: Und Jesus erklärt es ihnen. Ihnen gibt er die Hilfestellung, die wir von anderen Gleichnissen kennen und noch mehr. Für sie deutet er das Gleichnis genau: 

Der Samen ist das Wort Gottes, das auf das Land gesät, den Menschen - uns - gesagt ist. Bei denen auf dem Weg geht es zum einen Ohr hinein und zum anderen Ohr hinaus. Das Wort Gottes kommt gar nicht dazu, sich festzusetzen, irgendeine Wirkung zu haben. Bei den Menschen, die mit dem felsigen Boden verglichen werden, ist das Wort Gottes eher einem Strohfeuer zu vergleichen. Sie sind zunächst davon begeistert, doch da durch den felsigen Boden keine tiefen Wurzeln möglich sind, reichen die geringsten Rückschläge aus, um das Feuer des Glaubens zum Erlöschen zu bringen. 

Bei denen das Wort Gottes unter die Dornen fällt, spielt der Glaube zunächst eine Rolle für ihr Leben, doch über kurz oder lang sind noch so viele andere bedeutsame Dinge in ihrem Leben wichtig, dass die Rolle des Wortes Gottes eine Stimme und vielen ist und über kurz oder lang bedeutungslos wird.

Doch dann gibt es auch diejenigen, bei denen das Wort Gottes auf offene Ohren und offene Herzen stößt, bei denen das Wort Gottes zur Kraftquelle wird zunächst für das eigene Leben, dann aber auch für das Leben der Menschen, die ihnen begegnen, so dass durch Sie das Wort Gottes auf weiteren fruchtbaren Boden fällt. 

So hat  Jesus das Gleichnis für seine Jünger gedeutet. Und hätten sie es damals nicht umgesetzt, wäre das Wort Gottes bei ihnen nicht auf fruchtbaren Boden gefallen, säßen wir heute nicht hier im Gottesdienst. 

Wir sind das Land. Wir sind das Land, auf das der Sämann seine Körner streut. Sind wir Weg, sind wir Felsen, sind wir dorniger Boden? Wir könnten nun einander ermahnen, fruchtbarer Boden zu sein und die Predigt mit Amen beschließen.

Doch ich möchte die Deutung des Gleichnisses durch Jesus einmal ein wenig hinterfragen.

Ich erinnere mich an Spaziergänge nach längerem Regen. Wie froh bin ich da, wenn nicht überall nur aufgeweichte schlammige Erde ist sondern ein festgetretener Weg, auf dem meine Füße Halt finden.

Wie froh bin ich, dass es steinige felsige Erde gibt, auf der mein Haus auch bei Sturm und Wolkenbruch ein sicheres Fundament hat, eben nicht auf Sand oder weicher fruchtbarer Erde gebaut ist.

Wie gut ist es, dass einige Pflanzen sich durch Stacheln und Dornen schützen. Wer einen Garten hat, erlebt gerade in diesem Jahr, wie die Schnecken vielen Pflanzen den Garaus machen. Stacheln und Dornen schützen nicht nur vor Schnecken sondern auch vor vielen anderen Tieren. Und wir können uns Himbeeren und Brombeeren schmecken lassen und uns an der Schönheit der Rosen erfreuen.

Wir brauchen nicht nur fruchtbaren Boden, wir brauchen auch Wege, Steine und Dornen.

Wie gut, dass es diesen vierfachen Acker gibt.

Was aber heißt das für unser Gleichnis. 

Der Anspruch Jesu besteht: seid fruchtbarer Boden, bringt hundertfach Frucht.

 Natürlich will ich fruchtbares Land sein, Frucht bringen. Aber wenn ich ehrlich zu mir selber bin: ich finde bei mir auch festgetretene Stellen. Meinungen, Prinzipien, die mir wichtig sind, die mich ausmachen, die mich für manche meiner Mitmenschen liebenswert machen, anderen aber so gegen den Strich gehen, dass ich für sie kein Sämann sein kann.

Es gibt in mir auch felsigen Boden. Ereignisse und Situationen, in denen auch mein Glaube ins Wanken gerät, meine Glaubenswurzeln nicht tief genug zu sein scheinen. Das zarte Pflänzchen Hoffnung zu verdorren droht. Und doch: bringt mich nicht jede Krise weiter in meiner persönlichen Entwicklung. Werde ich nicht gerade dadurch reifer, auch in meinem Glauben. Der Entwicklungspsychologe Erik Erikson hat die Bedeutung der Krisen für unser Leben schon vor Jahrzehnten sehr deutlich gemacht. So sind für manche diese Steine, diese Krisen bei mir ein fester Halt, der ihnen in ihrem eigenen angefochtenen Glauben hilft, durchzuhalten. Für andere aber sind diese meine Steine aber auch Steine des Anstoßes.

Genauso gibt es in mir dorniges Land. Wünsche, Interessen, Vorlieben, bei denen nicht mein Glaube oder die Verkündigung des Wortes Gottes im Vordergrund stehen. Die von außen gesehen vielleicht die guten Körner zu ersticken drohen.  

Die mir selber aber dennoch gut tun, mich ausgeglichener und zufriedener und glücklicher machen und gerade dadurch vielleicht manche Himbeere reifen und manche Rose erblühen lassen.

Das Land bin ich. Ich habe von jedem Land etwas in mir. Nicht immer gleich viel, mal mehr von dem einen, mal mehr von dem anderen. Es verändert sich je nach meiner jeweiligen Lebenssituation. Aber alles ist zu finden für die, die nicht nur offene Ohren sondern auch offene Augen haben.

Wir sind das Land, das Land bin ich. Diesen Titel habe ich meiner Predigt gegeben, weil für mich beides wichtig ist. Fruchtbares Land zu sein, durch das andere Menschen das Wort Gottes erfahren können und selber zum fruchtbaren Land werden können aber auch zu dem festgetretenen Land, dem steinigen Land und dem dornenreichen Land zu stehen, das bei näherer Betrachtung ein wichtiger und bedeutsamer Teil von mir und von jedem Menschen ist.

Wir sind das Land, das Land bin ich! 

Amen.     

Unsere Gemeinde wurde mit dem Grünen Hahn zertifiziert

Nähere Informationen inklusive des Umweltberichtes 2017 und der Predigt von Pfr. Andreas Heitland im Umweltgottesdienst am 11. Februar 2018 finden Sie hier.

Bibelwoche im DBZ

In der zweiten Januarwoche fand unsere Bibelwoche 2018 mit Professor Rainer Kessler zum Thema: "Ethik des Alten Testamentes" statt. Die Predigt, die Prof. Kessler im Abschlussgottesdienst gehalten hat, finden Sie  hier, Nähere Informationen zu den Themen der einzelnen Abende auf dem Flyer zur Bibelwoche 2018.  

Kunstausstellung im DBZ - Textiles von Wolfgang Stracke

Das Herstellen von Textilem ist dem Menschen seit altersher ein ursächliches Bedürfnis. Die Technik, einen Faden zu spinnen und zu einem Gewebe zu vereinen, ist uraltes Handwerk. Die Arbeiten von Wolfgang Stracke – es sind Antependien, Applikationsstickereien, Webereien und Patchworkarbeiten – erhalten ihren spezifischen Ausdruck durch die sensible Materialauswahl, durch den Kontrast der unterschiedlichen Webarten und durch das Nebeneinander der Materialfarben.

Während das gemalte Bild grundsätzlich illusionistischen Charakter hat, ist das textile Wandbild greifbar im Raum. Das Material eines textilen Wandbildes verlangt nach Sinnbedürfnis in sich selbst und nicht in seiner Illusion.

Die Ausstellung ist bis März in den Räumen der Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zu sehen.

Öffnungszeiten: Mo. 10-12 Uhr, Mi. 11-13 Uhr, Do. 16-18 Uhr, Fr. 10-12 Uhr und So. nach dem Gottesdienst (11.30 Uhr).

Die Ausstellung wird am 19. November um 11.30 Uhr eröffnet.

Predigtreihe 2017 zu Martin Luther in der Matthäuskirche

In diesem Sommer gab es in der Matthäuskirche sonntags um 10.30 Uhr eine Predigtreihe über Martin Luther. Wie in den vergangenen Jahren finden Sie die gehaltenen Predigten hier: 

30.07. "Luther und die Bibel" Pfarrer Andreas Heitland

06.08. "Luther und die Frauen der Reformation" Pfarrer Ulrich Wehmann

13.08. "Luther und die Juden" Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

20.08. "Luther und die 95 Thesen" Pfarrer Gerhard Sternberg

 

 

 

Bibelwoche 2017: Gewalt in Gott? Über den Umgang mit heiligen Schriften.

Vom 4. bis 8. Januar fand unsere Bibelwoche 2017 statt. Nähere Informationen finden Sie  auf unserem Flyer und im Rückblick, die Predigt vom Abschlussgottesdienst der Bibelwoche finden sie hier.

Predigtreihe 2016 zu Liedern der Reformation

Mit Ausblick auf das „Jubiläum 500 Jahre Reformation“ haben wir in diesem Sommer  der wohl nachhaltigsten „Erfindung“ der Reformation unsere Predigtreihe gewidmet, dem Gemeindegesang.

Nähere Informationen,die Themen der einzelnen Gottesdienste und die Predigten finden Sie hier

Predigtreihe 2015 zu Dietrich Bonhoeffer

Die Predigten zu unserer Predigtreihe zu Dietrich Bonhoeffer finden Sie unter Gottesdienste, Predigtreihe 2015 Dietrich Bonhoeffer

Gründung der Umweltgruppe Grüner Hahn

Es werden noch Interessierte zur Mitarbeit gesucht. Nähere Informationen finden Sie unter dem Reiter "Gruppen - Umweltgruppe Grüner Hahn" oder durch Klick auf den grünen Hahn.

Predigtreihe 2014

Unter dem Titel "Die Zukunft ist sein Land" fand in den Sommerferien 2014 vom 20.7. bis 10.8. wieder eine Predigtreihe in der Matthäuskirche statt. Nähere Infos und die gehaltenen Predigten finden Sie hier.

Die Predigten unsere Predigtreihe 2013: Jona

Die Predigten unserer Predigtreihe zum Buch Jona finden Sie ab sofort  unter Gottesdienste: Predigtreihe 2013.  

Predigtreihe Psalmen 2012

Unter Gottesdienste / Predigtreihe Psalmen finden Sie die Predigten unserer Predigtreihe in den Sommerferien 2012.