Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld Matthäuskirche

Liebe Geschwister,

„Das Land als Bild der Verheißung“ ist mein Predigtthema heute. Mein erster Gedanke dazu ist negativ. : „Land als Bild der Verheißung?“ - das geht gar nicht mehr. Das Land hat seine Symbolkraft als Hoffnungszeichen verloren.

Sicher ist es eine urmenschliche Erfahrung, dass mit einem Stück Land alle Zukunft steht und fällt, quasi im Land ein Ursymbol für Verheißung steckt. Es ist ein elementarer Schritt in der Menschheitsgeschichte gewesen, als einige Menschengruppen ihr Leben als Sammler und Jäger verändert haben und Getreide anbauten. Seither steht das „Land“ für ein gutes Leben und eine gute Zukunft. Ackerbau und Viehzucht auf eigenem Land ermöglichte das Sesshaftwerden und hat die Kultur der Menschen total verändert. Und noch heute freut sich jeder Schrebergärtner über die Ernte auf seiner kleinen Scholle.

Und sicher hatte das Land solche Strahlkraft auch für das Sklavenvolk der Hebräer, die durch die Wüste einem gelobten Land entgegenirrten. Menschen, die Knechte in Ägypten waren, erlebten Freiheit durch Gottes Kraft und hatten Hoffnung, auf eigenem Land ein neues gesegnetes Leben zu beginnen. In diesen Urerfahrungen der Menschheit liegen die Wurzeln des Symboles „Land“ als Bild der Verheißung.

Und auch das: In Israel muss zum Erlassjahr aller Grund und Boden wieder zurückerstattet werden. So steht es in Gottes Gebot 3. Mose 25. Das ist eine wundervolle Regel. Nach 50 Jahren fangen alle wieder neu an, um mit gleichen Möglichkeiten den Segen des Landes zu ernten. Gott schenkt allen Freiheit, wenn er sagt: „Ihr dürft euer Land nicht endgültig verkaufen, denn das Land gehört nicht euch, sondern mir. Ihr wohnt hier als Fremdlinge und Gäste.“ Diese Weisung Gottes gibt es natürlich nur, weil ein gerechter Umgang mit dem Land schon in Israel eher die Ausnahme war. Großgrundbesitzer haben auch damals schon Acker an Acker gehäuft, was die Propheten oft beklagen. Schon hier beginnt die Zerstörung des starken Hoffnungssymboles „Land“.

Spätestens seit der Neuzeit hat dann der konkrete Umgang mit dem Land dieses verheißungsvolle Symbol vernichtet. Land ist heute eher zu einem Symbol für Gier, Gewalt und Unrecht geworden.

Christof Kolumbus entdeckte 1492 einen neuen Kontinent, neues weites Land – aber nicht unbewohnt. Das war egal. Eine Geschichte brutaler Eroberung zieht sich seither durch diesen Kontinent. Indianervölker wurden ausgerottet. Das „El Dorado“ suchten die Konquistadoren, das sagenhafte Goldland. Und sie gingen über Leichen, um es zu finden. Die Kolonialgeschichte der Großmächte im 19. Jahrhundert schreibt diesen brutalen Umgang mit Land und den Ureinwohnern fort. An all dem Unrecht und der Gewalt dieser Zeiten tragen wir noch heute schwer.

Heutzutage ist aber nichts besser. Ein Lebensmittelkonzern wie Nestle z.B. hat weltweit über 100 Quellgebiete aufgekauft, - alles legal mit Lizenz.

Das Land mit frischem Wasser gehört dem Konzern. Die Menschen, die bisher frei zur Quelle gingen, müssen sich nun Wasserflaschen mit dem Aufdruck „pure life“ – müssen das „reine Leben“ kaufen. Für mich ist dieser Name eine schlimme Verhöhnung des Menschrechts auf freien Zugang zu sauberem Trinkwasser, das in Afrika z.B. 40% der Menschen nicht gewährt wird.

Land wird heute in großem Stil aufgekauft. Es ist zur Geldanlage geworden. Auch in Europa. Auch in Deutschland. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft hat kaum noch eine Zukunft. Dieser Umgang mit dem Land wird unsere Zukunft verdunkeln. Deshalb hat für mich das Hoffnungssymbol „Land“ seine Strahlkraft als Bild der Verheißung verloren.  -   Menschliche Geldgier hat es zerstört. 

Vielleicht ist es - aus dieser Sicht betrachtet - dann doch gut, dass schon in der Bibel die Landverheißung vom konkreten Landbesitz gelöst wurde. Der Hebräerbrief legt ja in dieser Weise die Vätergeschichte aus, dass sowohl Abram, als auch Isaak und Jakob immer nur einem verheißenen Land entgegenziehen – sie haben es nie besessen. Sie wohnten dort als Fremde, als Gäste. Sie lebten in Zelten, waren Nomaden ohne eigenen Grund und Boden. Trotzdem zieht ein 75 Jahre alter Abram aus seiner Heimat, lässt die sichere Scholle hinter sich und zieht ins Ungewisse. Der Hebräerbrief sagt so schön: Voll Glauben sind diese alle gestorben, ohne das Verheißene erlangt zu haben. Und sie hätten doch gut und gerne in ihre Heimat zurückkehren können. Aber sie haben Gottes Verheißung vertraut und eine bessere Heimat erwartet.

Glauben bedeutet auf dem Weg zu sein. Glaubende sind Nomaden in Zelten. Das Land ist Ziel, die gewisse Zukunft in Gott. Ein himmlisches Jerusalem, wie im Predigtwort und auch in der Offenbarung. Aber auch der neue Himmel und die neue Erde, in der Gerechtigkeit wohnt. Das Land der Verheißung wird ganz verschieden ausgemalt. Nur bleibt es verheißen, - es bleibt Zukunft! Jetzt leben wir im Glauben – nicht im Schauen, so umschreibt Paulus diese Existenz der Glaubenden. Die Wissenschaft sagt es so: Der Hebräerbrief eschatologisiert alttestamentliche Hoffnung. Das Land Kanaan ist zum Sinnbild für die zukünftige Welt geworden.

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum. Die Zukunft ist sein Land. Sie ist Christi schöner Garten, ein Bild, das Paul Gerhardt immer gern benutzt hat. Sie ist ein schöner Traum! Ist „das Land“ als Bild der Verheißung so zur billigen Vertröstung auf eine ferne, nur dem Glauben gewisse Zukunft geworden? Und reicht das? 

Der Hebräerbrief richtet sich an Menschen, die schon Gefangennahmen und Enteignungen erlitten hatten und die noch schlimmere Verfolgung befürchteten. Das passte alles wenig zum versprochenen Heil durch Christus. Große Zweifel waren angebracht. Darum beschwört der Apostel geradezu die Verheißung des Landes, - der Stadt Gottes, - der sicheren Zukunft. Und sagt: Noch sind wir dorthin unterwegs und müssen jetzt noch die Last der Gegenwart bewältigen. Er hat damit seiner Gemeinde Mut gemacht.

Dass diese Konservierung der Verheißung sehr viel bewirken kann, - dafür steht auch das Lied 395: „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist.“ Dieses Lied hat Klaus Peter Hertsch für seine Patentochter zur Hochzeit gedichtet. Es nimmt exakt die Quellen auf, die ich heute für die Predigt hinzugezogen habe. Gen. 12 war der Trautext dieser jungen Eheleute. Die Botschaft an Abram „geh fort aus deiner Heimat in ein Land, das ich dir zeigen will - und ich will dich segnen - und du sollst ein Segen sein.“

Schon das ermutigt mich. Die Wanderer des Glaubens können ein Segen sein für andere. Und so entwickelt dieses Lied seine Botschaft vom Land der Zukunft Gottes, das uns immer hoffen lässt und zum Weitergehen motiviert: „Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“ Dieses Lied, das das „Land als Bild der Verheißung“ wieder benutzt, hat 1989 große Strahlkraft gehabt. Es ist wahrlich keine billige Vertröstung.

Das sehen wir schon daran, dass wir es überhaupt im Gesangbuch finden. Denn das neue Gesangbuch war 1989 schon fertiggestellt. EKD-weit war das neue Werk vollendet und druckreif. Und trotzdem ist dieses Lied noch hineingenommen worden. Das will in Deutschland etwas heißen. Die Gesangbuchmacher konnten nicht an diesem Lied vom Land Gottes und seiner Zukunft vorbei. Denn Visionen haben Strahlkraft.

Das Land ist so ein Bild der Verheißung bis heute, nicht konkret als Landbesitz, sondern als Symbol für Gottes Ziel aller Wege. Und so macht uns das Lied Mut, als Glaubende in unserer Zeit weiterzugehen - und mit den kleinen Schritten zu wirken, die uns möglich sind unterwegs in Gottes Zukunft. 

Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land. Glauben bedeutet auch hier losgehen und wandern. Und es ist ein Wandern unter dem Regenbogen. Dem genialen Zeichen Gottes für die Schöpfung, dass Gott sie erhalten wird in Rhythmus und Ordnung, die er geschaffen hat. Der Regenbogen ist das Symbol für Frieden und Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Im Zeichen des Regenbogens sind wir unterwegs.

Unsere Welt braucht diese Vision, - braucht Taten des Friedens und eines gerechten Ausgleichs – auch des Landes im Sinne eines Erlassjahres für alle Armen. Das Land, das Gott gehört, - seine Schöpfung als Lebensgrundlage für alle Geschöpfe braucht Schutz und Bewahrung durch uns.

Und noch mehr: In der 3. Strophe heißt es so schön klar: Gott selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. - Da sehe ich Gott nicht als Rentner, der es sich in „Christi schönem Garten“ gemütlich gemacht hat. Nein, auch Gott wandert immer noch!  Ihm geht es immer noch um seine Schöpfung, um diese Erde und das Zusammenleben der Menschen hier und jetzt. Er kommt uns entgegen, um seinen Himmel über dieser geschundenen Welt zu spiegeln, wie in einem klaren Bergsee. Gottes Zukunft soll abstrahlen auf unsere Erde.

So brauchen wir die Verheißung des Landes bis heute. Der Himmel der kommt ist mehr als das, was wir vorfinden. Er wird besser sein. Das haben wir anfangs im Lied 153 gesungen. Und doch kann schon jetzt dieses Himmels Schein durchbrechen und die Erde verwandeln.

Visionen bohren dicke Löcher in Stahl und Beton und können sie brüchig machen, wie der sprichwörtlich stete Tropfen, der den Stein aushöhlt. So brauchen wir das Bild des verheißenen Landes, der guten Zukunft Gottes dringend: 

Und wir träumen davon! – Wir träumen, dass Putin die Krim zurückgibt. Dass Nestle Wasser-leitungen zu den Armen legt und sie sauberes Wasser schöpfen können wie früher – umsonst. Es wird verboten, Land als Aktien und Wertpapiere zu handeln. Und Israelis und Palästinenser teilen sich das gelobte – in diesen Tagen noch so blutig entwürdigte - Land. Alle ziehen wir zum Zion, um den Frieden einer 2 Staatenlösung zu feiern! 

Wenn wir solche Visionen und Gottes Ruf nicht hätte, würden wir stehen bleiben. So aber ruft uns Gott auch heute zur Glaubenswanderschaft: „Vertraut den neuen Wegen. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“

Das singen und träumen wir, obwohl aktuell noch überall die Mauern der Willkür, des Hasses und der Gier hoch aufragen. Doch Mauern stürzen ein. Das haben wir mit diesem Lied in den Jahren nach 1989 in Deutschland hautnah miterleben dürfen. Visionen sind lebendig. Sie wirken! Und wir dürfen darum festhalten am „Land“ – nicht als etwas, das es zu besitzen gilt – sondern als Bild der Verheißung einer gerechten Welt, die kommt.  -  Und das mit Sicherheit!  Denn Gott will es so.

Amen.

Unsere Gemeinde wurde mit dem Grünen Hahn zertifiziert

Nähere Informationen inklusive des Umweltberichtes 2017 und der Predigt von Pfr. Andreas Heitland im Umweltgottesdienst am 11. Februar 2018 finden Sie hier.

Bibelwoche im DBZ

In der zweiten Januarwoche fand unsere Bibelwoche 2018 mit Professor Rainer Kessler zum Thema: "Ethik des Alten Testamentes" statt. Die Predigt, die Prof. Kessler im Abschlussgottesdienst gehalten hat, finden Sie  hier, Nähere Informationen zu den Themen der einzelnen Abende auf dem Flyer zur Bibelwoche 2018.  

Kunstausstellung im DBZ - Textiles von Wolfgang Stracke

Das Herstellen von Textilem ist dem Menschen seit altersher ein ursächliches Bedürfnis. Die Technik, einen Faden zu spinnen und zu einem Gewebe zu vereinen, ist uraltes Handwerk. Die Arbeiten von Wolfgang Stracke – es sind Antependien, Applikationsstickereien, Webereien und Patchworkarbeiten – erhalten ihren spezifischen Ausdruck durch die sensible Materialauswahl, durch den Kontrast der unterschiedlichen Webarten und durch das Nebeneinander der Materialfarben.

Während das gemalte Bild grundsätzlich illusionistischen Charakter hat, ist das textile Wandbild greifbar im Raum. Das Material eines textilen Wandbildes verlangt nach Sinnbedürfnis in sich selbst und nicht in seiner Illusion.

Die Ausstellung ist bis März in den Räumen der Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zu sehen.

Öffnungszeiten: Mo. 10-12 Uhr, Mi. 11-13 Uhr, Do. 16-18 Uhr, Fr. 10-12 Uhr und So. nach dem Gottesdienst (11.30 Uhr).

Die Ausstellung wird am 19. November um 11.30 Uhr eröffnet.

Predigtreihe 2017 zu Martin Luther in der Matthäuskirche

In diesem Sommer gab es in der Matthäuskirche sonntags um 10.30 Uhr eine Predigtreihe über Martin Luther. Wie in den vergangenen Jahren finden Sie die gehaltenen Predigten hier: 

30.07. "Luther und die Bibel" Pfarrer Andreas Heitland

06.08. "Luther und die Frauen der Reformation" Pfarrer Ulrich Wehmann

13.08. "Luther und die Juden" Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

20.08. "Luther und die 95 Thesen" Pfarrer Gerhard Sternberg

 

 

 

Bibelwoche 2017: Gewalt in Gott? Über den Umgang mit heiligen Schriften.

Vom 4. bis 8. Januar fand unsere Bibelwoche 2017 statt. Nähere Informationen finden Sie  auf unserem Flyer und im Rückblick, die Predigt vom Abschlussgottesdienst der Bibelwoche finden sie hier.

Predigtreihe 2016 zu Liedern der Reformation

Mit Ausblick auf das „Jubiläum 500 Jahre Reformation“ haben wir in diesem Sommer  der wohl nachhaltigsten „Erfindung“ der Reformation unsere Predigtreihe gewidmet, dem Gemeindegesang.

Nähere Informationen,die Themen der einzelnen Gottesdienste und die Predigten finden Sie hier

Predigtreihe 2015 zu Dietrich Bonhoeffer

Die Predigten zu unserer Predigtreihe zu Dietrich Bonhoeffer finden Sie unter Gottesdienste, Predigtreihe 2015 Dietrich Bonhoeffer

Gründung der Umweltgruppe Grüner Hahn

Es werden noch Interessierte zur Mitarbeit gesucht. Nähere Informationen finden Sie unter dem Reiter "Gruppen - Umweltgruppe Grüner Hahn" oder durch Klick auf den grünen Hahn.

Predigtreihe 2014

Unter dem Titel "Die Zukunft ist sein Land" fand in den Sommerferien 2014 vom 20.7. bis 10.8. wieder eine Predigtreihe in der Matthäuskirche statt. Nähere Infos und die gehaltenen Predigten finden Sie hier.

Die Predigten unsere Predigtreihe 2013: Jona

Die Predigten unserer Predigtreihe zum Buch Jona finden Sie ab sofort  unter Gottesdienste: Predigtreihe 2013.  

Predigtreihe Psalmen 2012

Unter Gottesdienste / Predigtreihe Psalmen finden Sie die Predigten unserer Predigtreihe in den Sommerferien 2012.