Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld Matthäuskirche

Lobpsalm Psalm 148

Liebe Gemeinde,

mit diesem Sonntag beginnen wir eine Predigtreihe über Psalmen der Bibel. Für viele von uns sind diese alten Lieder und Gebete der Bibel bis heute bewegend, weil sie vom gelebten Glauben erzählen.

Ähnlich wie die Lieder in unserem Gesangbuch. Wenn wir wissen, wie es zur Zeit des Paul Gerhardt zuging und wie er diese Zeit in seinen Liedstrophen mit dem Glauben konfrontiert, dann kommt uns die Kraft des Glaubens sehr nah, wie er über Jahrtausende Menschen gestärkt und angetrieben hat. So nimmt Paul Gerhardt trotz Plagen und Pest und der Brandschatzung durch Soldatenhorden die güldne Sonne wahr, die unserem begrenzten Leben ein liebliches und herzerquickendes Licht sendet. Und der Blick weitet sich wieder und…  ich hebe meine Augen auf zu den Bergen…  das hilft!

Darin liegt bis heute die große Kraft der Lieder und auch der Psalmen. Sie weiten unsere Perspektive mit Lebens- und Glaubenserfahrungen der Menschen damals. Sie sprechen uns direkt an. Menschen haben darin Gott ihre Verlassenheit, tiefe Verzweiflung und ihr ganzes Leid geklagt. Sie haben ihm auch Danke gesagt mit Psalmen. Und – das ist heute das spezielle Thema – sie haben große Lobeshymnen auf Gott geschrieben, weil sie noch wahrgenommen haben, dass sie sich verdanken, --- dass alles, was ist, durch Gott lebt und er mitgeht durchs Leben – auch durch das finstere Tal. Dies haben wir ja heute auch den Kindern zugesprochen, die wir getauft haben. Gott will bei euch sein.

Die hebräische Bibel überschreibt das Buch der Psalmen mit dem Begriff  tehillim. Das bedeutet „Das Buch der Lobpreisungen“. 150 Psalmen wurden in diesem Buch zusammengestellt. Die tehillim sind die lobpreisende Antwort Israels auf Gottes Wort und Tat, auf all seine Wunder und seine Werke. Für mich ist das ein erster starker Hinweis, den ich auch heute predigen möchte, dass das gesamte Buch im Hebräischen Lobpreisungen genannt wird. Darum soll es gehen. Gott loben, ihn ehren und erheben. „Erhaben ist sein Name und seine Hoheit ist über Erde und Himmel hin.“ So hat es unser Psalm 148 formuliert.

Interessant ist die Überschrift Lobpreisungen, weil ja in den Psalmen auch steht „Mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Die Beter der Psalmen klagen Gott ihr Leid. Sie sagen ihm die Meinung, dass Gott schweigt und sich verborgen hält. Aber auch in den Klagen finden wir zum Ende oft einen Lobvers. Wenn der Beter sich erinnert hat und das Bekenntnis nachgesprochen, das die Vorfahren  uns aufgeschrieben haben. Wenn er sich so in seiner ganzen Hilflosigkeit vergewissert hat. Dann heißt es: …dennoch bleibe ich stets an dir, …du hast die Erde fest gegründet und den Himmel darüber gespannt, …du hast Israel aus der Knechtschaft befreit. Diese Bekenntnisse wenden oft das Klagen hin zum Loben.

Ich finde, dass uns diese Botschaft heute gut tut. Denn wir sind oft gefangen in Trübsinn, in Leid und Not, die uns betreffen. Aber die güldne Sonne scheint noch. Und Gott lässt uns nicht im Stich. Diese Vergewisserung können wir in den Psalmen erleben. Darum lohnt es sich, sie auch privat in unseren Häusern zu lesen und auch einmal laut zu rezitieren.

Das Buch der Psalmen ist aus fünf kleineren Sammlungen zusammengestellt worden. Jedes dieser kleinen Psalmbücher wird mit dem Lobpreis abgeschlossen: Gelobt sei Jahwe. Amen. Auch darin sind diese Gebete als Ganzes in Licht und Dunkel, Freude und Not - die tehillim, Lobpreisungen Gottes.

Durch diese Fünfzahl der einzelnen Bücher bekommt das gesamte Psalmenbuch eine theologische Deutung. In der jüdischen Auslegung der Psalmen heißt es im Midrasch: “Mose gab Israel die fünf Bücher der Tora, und David gab Israel die Fünf Bücher der Psalmen.“ Auf Gottes Gabe seiner Weisungen antwortet Israel mit der (Rück)gabe der Lobpreisungen. Die Psalmen haben dadurch ihr besonders Gewicht im Zusammenhang der hebräischen Bibel.

Also freuen Sie sich auf die vier Sonntage, an denen wir eintauchen wollen in diese Antwort Israels auf Gottes Werk. Sie werden Auslegungen zu einem Rachepsalm, zu einer Klage und auch einen Schöpfungspsalm hören. Ich beginne heute mit einem Lobpsalm. Neben der Klage ist das Lob die häufigste Gattung in diesem Buch.

- Text nach Erich Zenger – Hierzu müssen wir uns das alte Weltbild vorstellen, in dem die Erde eine Scheibe war und der Himmel darüber gespannt, um die Wasser der Urflut fern zu halten.

Der 148. Psalm gehört zum großen Finale des Psalmbuches. Die letzten fünf Psalmen erheben noch einmal die Stimme zum „Halleluja“. So beginnt und endet jeder Psalm von Ps. 146 an. Der Einzelne, dann Jerusalem / der Zion und dann in unserem Psalm die Gemeinde der Getreuen sollen den Namen Jahwes loben. Immer weitere Kreise zieht das Lob Gottes. Unser Psalm bindet die ganze Schöpfung ein. Alles, was geschaffen ist und sich Gott verdankt, soll sich zu einer umfassenden Lobgemeinschaft verbinden. Alles im Himmel und alles auf Erden. Ein überwältigender Gedanke ist das. Gerade in unserer Zeit des Klimawandels, in der wir die Ausbeutung und Zerstörung der Schöpfung beklagen. Alles Geschaffene verbindet sich und wird eins im Lob Gottes. Unser Psalm ist eine Hymne, ein Schöpfungsoratorium.

Die Botschaft ist kurz und bündig. Alle sollen sie Gott lobpreisen. Um aber die ganze Intensität und Tiefe dieses Psalms noch besser  zu verstehen, will ich nur zwei Dinge kurz dazu auslegen:

Das Erste ist die Komposition des Psalms im hebräischen Text. Hier spielt eine Zahlensymbolik eine ganz wichtige Rolle. Es geht um die Zahl 10, die für Vollkommenheit und für das Ganze steht. 10, das ist alles, was gesagt werden muss.

Wir haben diese „10 Zahl“ im ersten Kapitel der Bibel, im Schöpfungsbericht. Mit 10 Worten ruft Gott da die ganze Welt ins Leben und gibt seiner Schöpfung eine gute Ordnung. 10mal hören wir: „Und Gott sprach…“ So erschafft er die Grundordnung des Kosmos. Dazu gibt Gott 10 Gebote, die die Lebensordnung der Menschen festhalten, seine guten Weisungen für ein gelingendes Zusammenleben. Immer spricht Gott 10fach, umfassend und setzt damit ins Werk. Darauf antwortet der Psalm mit dem 10fachen Ruf „Lobpreiset ihn“. Loben, das ist euer Amt. Es ist unsere Aufgabe bis heute, Gott für all das Gute zu preisen, das er uns schenkt und für die Lebensordnung, in der wir existieren können.

Für die Zeit damals stand dieser Aufruf zum Lob auf dem wissenschaftlichen Stand der Zeit. Die einzelnen Nennungen und Schöpfungsbereiche sind in langen Listen wieder zu finden, die schon die alten Ägypter aufgeschrieben haben. Sie wollten mit der Benennung der Dinge die ganze Welt erfassen und dem vielschichtigen Geheimnis der Schöpfung auf die Spur kommen. 

Albert Einstein, der große Physiker hat es einmal in seinem Humor so schön prägnant gesagt: „Gott würfelt nicht.“ Gott hat den Dingen eine Ordnung gegeben. Und danach hat Einstein geforscht in aller Relativität. Heute würde man den Psalm darum anders schreiben. Auf unserem Stand der Forschung würden wir die Galaxien, die schwarzen Löcher und das Higgs - Teilchen zum Lob Gottes aufrufen. 

Aber die Aussage bleibt die Gleiche. Ihr verdankt euch einem großen, hoch erhabenen, ewigen Gott, der Liebe ist und der in seiner Liebe das Leben erschaffen hat, und der es erhält und trägt. Auch auf Durststrecken ist er da. Auch bei den Toten ist Gott und ruft sie neu ins Leben.

Diese Lobgedanken vergewissern uns immer wieder, wo wir durch den Glauben stehen. Darum sind sie so wichtig. Wir können daran Halt finden, wenn wir gerade ganz andere Erfahrungen machen, wenn alles um uns ins Wanken geraten ist. Dann spreche ich gern Psalmen nach. Bete mit den Worten der Vorfahren, um wieder in die Spur zu kommen. Besonders an Krankenbetten oder in der Begleitung Sterbender spreche ich oft einen Psalm nach. 

Das ist ein großer Segen. Das hilft!

Der Psalm 148 sagt: Lobpreisen sollen sie den Namen Gottes. Alle im Himmel und auf Erden. Also die Engel und der ganze himmlische Hofstaat, die Gestirne, Auch die bedrohliche Urflut, die Gott mit der Feste des Himmels abgeschirmt und uns dadurch den Raum zum Atmen geschaffen hat. Diese Ordnung besteht für immer und ewig. Gottes weiter Raum soll Lebensraum sein.

Und auch auf Erden sollen sie loben. Wieder die bedrohliche Urflut, die im Meeresdrachen, dem Leviathan, symbolisiert wird. Die Gefahr des Meeres ist dem Beter bekannt, denken wir an die Geschichte von der Sintflut. Aber Gott hat dem Wasser Grenzen gesetzt und ihm einen eigenen Bereich gegeben. Nun soll es in die Lobgemeinschaft eintreten. 

Ebenso die Wetterphänomene, Berge, Fruchtbäume und Wildgewächse. Die vier Arten der Tierwelt sollen ins Lob einstimmen, die uns schon im Schöpfungsbericht begegnen, stellvertretend für alle Tiere. Und zuletzt der Mensch nach politisch gesellschaftlichen Rängen benannt, der Mensch als Mann und Frau, der Mensch - alt und jung gemeinsam - sollen wir Gott erheben und im Lob erhöhen in den Rang der ihm allein gebührt. 

Einer nur sitzt ganz oben, ist hocherhaben und hat alles in seiner Hand - dein Schöpfer. „He’s got the whole world in his hand.“ So haben es einst schwarze Sklaven besungen und gelobt und sich dabei ihre Würde bewahrt, die von den Weißen mit Füßen getreten wurde. Auch daran sehen wir, welche Kraft der Lobpreis Gottes entwickeln kann. Gott loben ist unsere Würde, unser Auftrag und unser Amt in der Gemeinde der Getreuen, die ihm nah sind.

Nehmen wir uns darum auch zum Lobsingen immer wieder die Zeit.  Das hilft!

Amen.

Unsere Gemeinde wurde mit dem Grünen Hahn zertifiziert

Nähere Informationen inklusive des Umweltberichtes 2017 und der Predigt von Pfr. Andreas Heitland im Umweltgottesdienst am 11. Februar 2018 finden Sie hier.

Bibelwoche im DBZ

In der zweiten Januarwoche fand unsere Bibelwoche 2018 mit Professor Rainer Kessler zum Thema: "Ethik des Alten Testamentes" statt. Die Predigt, die Prof. Kessler im Abschlussgottesdienst gehalten hat, finden Sie  hier, Nähere Informationen zu den Themen der einzelnen Abende auf dem Flyer zur Bibelwoche 2018.  

Kunstausstellung im DBZ - Textiles von Wolfgang Stracke

Das Herstellen von Textilem ist dem Menschen seit altersher ein ursächliches Bedürfnis. Die Technik, einen Faden zu spinnen und zu einem Gewebe zu vereinen, ist uraltes Handwerk. Die Arbeiten von Wolfgang Stracke – es sind Antependien, Applikationsstickereien, Webereien und Patchworkarbeiten – erhalten ihren spezifischen Ausdruck durch die sensible Materialauswahl, durch den Kontrast der unterschiedlichen Webarten und durch das Nebeneinander der Materialfarben.

Während das gemalte Bild grundsätzlich illusionistischen Charakter hat, ist das textile Wandbild greifbar im Raum. Das Material eines textilen Wandbildes verlangt nach Sinnbedürfnis in sich selbst und nicht in seiner Illusion.

Die Ausstellung ist bis März in den Räumen der Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zu sehen.

Öffnungszeiten: Mo. 10-12 Uhr, Mi. 11-13 Uhr, Do. 16-18 Uhr, Fr. 10-12 Uhr und So. nach dem Gottesdienst (11.30 Uhr).

Die Ausstellung wird am 19. November um 11.30 Uhr eröffnet.

Predigtreihe 2017 zu Martin Luther in der Matthäuskirche

In diesem Sommer gab es in der Matthäuskirche sonntags um 10.30 Uhr eine Predigtreihe über Martin Luther. Wie in den vergangenen Jahren finden Sie die gehaltenen Predigten hier: 

30.07. "Luther und die Bibel" Pfarrer Andreas Heitland

06.08. "Luther und die Frauen der Reformation" Pfarrer Ulrich Wehmann

13.08. "Luther und die Juden" Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

20.08. "Luther und die 95 Thesen" Pfarrer Gerhard Sternberg

 

 

 

Bibelwoche 2017: Gewalt in Gott? Über den Umgang mit heiligen Schriften.

Vom 4. bis 8. Januar fand unsere Bibelwoche 2017 statt. Nähere Informationen finden Sie  auf unserem Flyer und im Rückblick, die Predigt vom Abschlussgottesdienst der Bibelwoche finden sie hier.

Predigtreihe 2016 zu Liedern der Reformation

Mit Ausblick auf das „Jubiläum 500 Jahre Reformation“ haben wir in diesem Sommer  der wohl nachhaltigsten „Erfindung“ der Reformation unsere Predigtreihe gewidmet, dem Gemeindegesang.

Nähere Informationen,die Themen der einzelnen Gottesdienste und die Predigten finden Sie hier

Predigtreihe 2015 zu Dietrich Bonhoeffer

Die Predigten zu unserer Predigtreihe zu Dietrich Bonhoeffer finden Sie unter Gottesdienste, Predigtreihe 2015 Dietrich Bonhoeffer

Gründung der Umweltgruppe Grüner Hahn

Es werden noch Interessierte zur Mitarbeit gesucht. Nähere Informationen finden Sie unter dem Reiter "Gruppen - Umweltgruppe Grüner Hahn" oder durch Klick auf den grünen Hahn.

Predigtreihe 2014

Unter dem Titel "Die Zukunft ist sein Land" fand in den Sommerferien 2014 vom 20.7. bis 10.8. wieder eine Predigtreihe in der Matthäuskirche statt. Nähere Infos und die gehaltenen Predigten finden Sie hier.

Die Predigten unsere Predigtreihe 2013: Jona

Die Predigten unserer Predigtreihe zum Buch Jona finden Sie ab sofort  unter Gottesdienste: Predigtreihe 2013.  

Predigtreihe Psalmen 2012

Unter Gottesdienste / Predigtreihe Psalmen finden Sie die Predigten unserer Predigtreihe in den Sommerferien 2012.